Es ist eine verblüffende Entwicklung: Trotz Inzidenzwerten, die ähnlich hoch sind wie in Deutschland und zum Teil sogar deutlich höher, gibt es in vielen Ländern Europas einen deutlichen Öffnungstrend. Und zwar gerade bei Deutschlands Nachbarn.

Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, da die Bundesregierung erstmals eine nationale Ausgangssperre verhängt hat und ein nationales Lockdown-Gesetz in Kraft ist, gehen viele Europäer den entgegengesetzten Weg: Sie öffnen Geschäfte und die Restaurantterrassen. Teilweise gehen die Lockerungen gar deutlich weiter – auch Museen und Kinos gehen mancherorts wieder auf, teilweise sind gar Veranstaltungen in Innenräumen erlaubt.

Ob nun in der Schweiz, Italien, den Niederlanden oder bald auch in Frankreich: Ein frühlingshaftes Öffnungsklima verbreitet sich auf dem Kontinent. Teilweise gegen wissenschaftlichen Rat, aber unter dem Beifall vieler Bürger – und unter dem Druck der Wirtschaft. Hier kommt der Überblick über die vielen europäischen Länder, die ihren Bürgern wieder mehr Freiheiten erlauben.

Niederlande: Der Lockdown endet trotz 220er-Inzidenz

Das aktuellste Beispiel sind die Niederlande: Das Land beendet heute einen viermonatigen Lockdown, trotz einer Sieben-Tage-Inzidenz von 220 (in Deutschland liegt er bei 161). Die Ausgangssperre ist aufgehoben, Geschäfte können unter Auflagen wieder Kunden empfangen und Gaststätten dürfen ihre Außenbereiche öffnen, zumindest von 12 bis 18 Uhr.

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Ein Restaurantangestellter in Amsterdam bereitet die Terrasse für die Öffnung vor

Foto: EVERT ELZINGA / AFP

Die Regierung von Premier Mark Rutte rechtfertigt die Öffnungsschritte mit dem schnellen Impftempo. Über fünf Millionen Bürger haben nach offiziellen Angaben mindestens eine Dosis bekommen. Dies entspricht knapp 30 Prozent der Erwachsenen. Die Erwartung: Wenn mehr Menschen geimpft sind, sinken die Infektionszahlen.

Die Lockerungen der Regierung kommen trotz Warnungen aus dem…