Indien kämpft verzweifelt gegen eine zweite Corona-Welle und verliert dabei so viele Menschenleben wie nie zuvor. Seit Tagen verzeichnet das Land immer neue Höchstwerte an Neuinfektionen, die Mutante B.1.617 ist auf dem Vormarsch.

Die Krankenhäuser sind überlastet, der Sauerstoff ist knapp.

O-Ton:

»Wir waren bei zwei Krankenhäusern und einem in der Nähe des Akshardham-Stadions. Da ließen sie uns nicht einmal hinein, sie hatten alles verbarrikadiert.«

Die Hauptstadt Neu-Delhi hat es besonders hart getroffen. Hier sterben Menschen, weil Sauerstoff zur Beatmung fehlt. Nicht immer können sich Ärzte um die vielen Patienten kümmern. Angehörige versuchen sie selbst zu retten. In ihrer Verzweiflung ziehen Menschen von Krankenhaus zu Krankenhaus – so wie Hari Murari mit seinem jüngeren Bruder.

Hari Murari:

»Ich war seit heute Morgen in sechs Krankenhäusern, jetzt bin ich hier gelandet. Überall haben sie die Behandlung verweigert. Sie haben keine Betten und keinen Sauerstoff. Im Rajiv Gandhi Hospital schicken sie einen zurück, noch bevor man ausgestiegen ist – mit der Begründung, sie hätten keine Betten und keinen Sauerstoff. Nur hier konnten wir eine Sauerstoffflasche bekommen, ich habe sie buchstäblich an mich gerissen..«

Derzeit verzeichnet Indien mit seinen fast 1,4 Milliarden Einwohnern mehr als 300.000 Neuinfektionen jeden Tag – und damit fast jeden zweiten Corona-Fall weltweit. Im April stieg die Zahl der Corona-Toten von täglich knapp 450 auf über 2800. Die Dunkelziffer dürfte noch sehr viel höher ausfallen.

In Delhi trat am 19. April eine strenge Ausgangssperre in Kraft. Doch das ohnehin schon schwache Gesundheitssystem ist mittlerweile kollabiert. Selbst schwer erkrankte Covid-Patienten können nicht immer behandelt werden – so wie die Schwiegermutter von Aarti Verma.

Aarti Verma:

»Ich wandere seit vier Tagen durch Delhi, meine Schwiegermutter ist schwer erkrankt und ich bekomme kein Krankenhausbett . Was macht die Regierung? Die behauptet, sie habe 500…