Zeigt Joe Biden sein hässliches Gesicht? Offenbart die ebenso erfolgreiche wie eigennützige Impfkampagne der USA, dass der neue Präsident zwar freundlicher im Ton ist, im Kern aber doch nur die nationalistische Politik seines Vorgängers Donald Trump fortsetzt? Wenn man die Klagen aus Berlin und Brüssel über die neue US-Administration hört, könnte man auf diese Idee kommen.

Schon im März schimpfte der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn, die USA würden Rohstoffe für die Impfstoffproduktion horten; EU-Ratspräsident Charles Michel sprach sogar von einer »regelrechten Sperre« für den Export von Vakzinen. Daran ist richtig, dass die US-Regierung in den Verträgen mit den Impfstoffherstellern dafür gesorgt hat, dass zuerst der heimische Markt bedient wird. Und mit dem sogenannten »Defense Production Act« hat die US-Regierung auch ein Instrument in der Hand, um Rohstoffe im Land zu halten.

Während die Europäer noch glaubten, sie könnten bei der Bestellung feilschen (…) setzten die USA alle Hebel in Bewegung

Was an den Klagen aber verwundert, ist die Blauäugigkeit, die aus ihnen spricht. Die Amerikaner haben die Impfstoffproduktion von Anfang als das betrachtet, was sie ist: als Frage der nationalen Sicherheit oder, um es deutlicher zu sagen, als eine Entscheidung über Leben und Tod.

Bei all seinen Fehlern und Irrungen hat Donald Trump nicht gezögert, schon im Frühjahr vergangenen Jahres zehn Milliarden Dollar in die Entwicklung und Produktion von Vakzinen zu investieren. Während die Europäer noch glaubten, sie könnten bei der Bestellung feilschen wie bei der Order von Kopierpapier, setzten die USA alle Hebel in Bewegung, um das Land so schnell wie möglich mit einer Impfkampagne aus der Pandemie zu führen.

Joe Biden ist zuerst dem amerikanischen Volk verpflichtet

Ist das nun Impfnationalismus, wie viele in Europa beklagen? Eher umgekehrt: Nur jene politische Naivität, die so kennzeichnend ist für das Brüsseler Biotop, kann zu der…