Tagelang tobte in der Union ein Machtkampf um die Kanzlerkandidatur. Die SPD hätte davon profitieren können, gibt sich der rheinland-pfälzische Landesvorsitzende Roger Lewentz überzeugt. Er wirft seiner Partei Fehler im beginnenden Bundestagswahlkampf vor.

»Wir verpassen gerade den Wahlkampfstart«, sagte der Landesvorsitzende Roger Lewentz der »Süddeutschen Zeitung« (»SZ«). SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil habe es versäumt, die »Chaostage« der Union bei der Nominierung des Kanzlerkandidaten Armin Laschet politisch zu nutzen. »Ich hätte mir gewünscht, dass wir dies Tag für Tag in den Medien benennen«, sagte Lewentz.

Auf die Frage, ob Klingbeil zu vornehm oder zu zurückhaltend sei, antwortete der SPD-Landeschef: »Das ist egal, denn es läuft auf dasselbe hinaus.« Eineinhalb Monate nach dem Sieg der rheinland-pfälzischen SPD bei der Landtagswahl sagte Lewentz mit Blick auf die nach wie vor schlechten Umfragewerte seiner Partei, die SPD in Deutschland habe ein Wahrnehmungsproblem.

»In so einer Lage ist es wie im Fußball«, sagte Lewentz, der als Innenminister von Rheinland-Pfalz auch für den Sport zuständig ist. »Wenn du 0:2 hinten liegst, kannst du doch nicht auf Ergebnis halten spielen. Dann muss man angreifen und jede Chance ergreifen.« Dies gelte umso mehr, »wenn einem der wichtigste Gegner, die CDU, das Feld so öffnet«.