Videothek ist längst geschlossen
21 Jahre Verzug: Frau drohte wegen nicht zurückgebrachter Videotheken-Kassette Gefängnis

Die Zeit der VHS-Kassette ist längst vorbei

© KLH49 / Getty Images

von Malte Mansholt

27.04.2021, 20:42 Uhr

Videotheken wirken heute wie Relikte aus einer anderen Zeit. Für eine Frau aus Texas wurde diese Vergangenheit nun eine ganz konkrete Gefahr: Sie wurde wegen einer nicht zurückgebrachten VHS-Kassette von der Polizei gesucht.

Es sind Erinnerungen aus einer Zeit vor Netflix und Co.: Wenn man früher einen Film sehen wollte, blieb wenig Wahl, als durch die Regale einer Videothek zu streifen und in den VHS-Kassetten, DVDs oder später Blu-rays zu stöbern. Wenn ein anderen den Film anschaute, musste man eben abwarten. Und das Zurückspulen zu vergessen, war eine teurer Fauxpas. Was für viele Menschen in erster Linie Nostalgie auslöst, wurde für Caron D. aus Texas gerade zum Albtraum: Ihr drohte wegen einer längst geschlossenen Videothek Gefängnis.

„Ich dachte, ich bekomme einen Herzanfall“ berichtet D. gegenüber der „New York Times“. Die 52-Jährige wollte nach ihrer Hochzeit eigentlich nur ihren Namen ändern. Und erfuhr so, dass sie seit 21 Jahren von der Polizei gesucht wird. Der Vorwurf: Unterschlagung. „Sie sagte es geht um eine VHS-Kassette und ich ließ sie das noch einmal wiederholen. Ich dachte: Das kann doch nicht sein“, erzählt D.. „Dieses Mädchen muss mich doch auf den Arm nehmen. Aber das tat sie nicht.“

„Verbrecherische Unterschlagung“

Tatsächlich lag gegen D. eine Anklage vor. Sie habe „bewusst, unrechtmäßig und verbrecherisch eine (1) Videokassette von ‚Sabrina – Total Verhext‘ im Wert von 50,59 Dollar unterschlagen“, heißt es in dem im März 2000 ausgestellten Anklagedokument. Die Formulierung hatte vermutlich schwere Folgen für D. – ohne das ihr das bewusst war. Die Bewertung als Verbrechen sorgt…