Giannos Ioannou nimmt selten ein Blatt vor den Mund. Der 59-jährige Zyperngrieche ist Geschäftsmann in Nikosia, der geteilten zyprischen Hauptstadt. Sein Spitzname ist „Strovolitotis“, benannt nach dem Bezirk, aus dem er stammt. Auf dem gleichnamigen Blog schreibt er über alles, was ihm wichtig ist – auch über seine Heimat Zypern und die verzwickte politische Situation dort.

Ioannou wünscht sich, dass die Mittelmeerinsel 47 Jahre nach ihrer Teilung wieder ein gemeinsamer Staat der zyprische Griechen und Türken wird; ein Staat, der die Existenz und Bedürfnisse beider Seiten anerkennt. Das gefällt vielen seiner Landsleute nicht. Auf seiner Facebookseite nennen ihn zyprisch-griechische Nationalisten verächtlich „Türkenfreund“. Dafür hat der Blogger kein Verständnis: „Es muss alles auf den Tisch kommen. Wir brauchen endlich einen Rahmen, der Lösungen für beide Bevölkerungsteile enthält.“

Im Zentrum des griechischen Teils der Insel-Hauptstadt wird die derzeitige politische Lage deutlich: Auf den Plätzen wehen hunderte von blau-weißen griechischen Flaggen zur 200-Jahrfeier der griechischen Revolution gegen das Osmanische Reich. Hinter dem mit Stacheldraht bewehrtem Zaun, der sich durch die Stadt zieht, liegt der Nordteil von Nikosia, der als Hauptstadt der türkischen Seite fungiert. Dort wehen die roten Flaggen mit dem weißen Halbmond in greifbarer Ferne.

Eigentlich erinnert nur die „grüne Linie“ daran, dass man sich auf Zypern befindet – nicht auf dem griechischen Festland und auch nicht in der Türkei. Fast könnte man vergessen, dass die Insel eigentlich ein eigenständiger Staat ist, in dem griechische und türkische Zyprer leben.

Die Wunden der Geschichte

1963, drei Jahre nach der Unabhängigkeit von Großbritannien, kam es zu Konflikten zwischen beiden Bevölkerungsgruppen. Der Grund: der damalige Präsident wollte per Verfassung den Einfluss der Zyperntürken in der Regierung eindämmen. Elf Jahre später, am 20. Juli 1974, landeten türkische Truppen…