Über die erst im Dezember im Schweizer Zivilgesetzbuch verankerte »Ehe für alle« wird in einem Referendum abgestimmt. Gegner haben fast 70.000 Unterschriften eingereicht und damit eine Volksabstimmung durchgesetzt, wie die Bundeskanzlei in Bern am Dienstag mitteilte.

Das Parlament hatte im Dezember die Eheschließung für gleichgeschlechtliche Paare sowie den Zugang zur Samenspende für lesbische Paare beschlossen.

Hinter dem Referendum steht eine überparteiliche Initiative, die mit dem Slogan »Ja zu Ehe und Familie, Nein zur Ehe für alle« wirbt. Sie argumentiert, nur die Ehe zwischen Mann und Frau sei eine »natürliche Lebensgemeinschaft«. »Nur aus dieser Verbindung entstehen Kinder, welche die Zukunft der Gesellschaft sicherstellen.«

Die politische Bewegung »Operation Libero« hält dagegen. Sie hat für eine Petition zugunsten der »Ehe für alle« nach eigenen Angaben 107.000 Unterschriften zusammengebracht und will sich im Abstimmungskampf gegen die Gegner engagieren. Die Operation Libero setzt sich nach eigenen Angaben für eine offene Schweiz und liberale Anliegen ein.

In den meisten Ländern Westeuropas ist die Ehe für alle bereits Gesetz, in Deutschland seit 2017. Die Möglichkeit wird stark genutzt: Jede 14. neue Ehe in Deutschland ist seither gleichgeschlechtlich. Zehntausende homosexuelle Paare haben seit Herbst 2017 geheiratet. Ungefähr zwei Drittel von ihnen lebten zuvor in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft.