Heute geht es um die Kohl-Schülerin Annalena Baerbock, die Sorgen der Union, den positiv stimmenden Impfgipfel und beneidenswerte Amerikaner.

Grün ist das neue Schwarz

Während sich die Unionsparteien mühen, die aufeinander eingeschossenen schweren Politgeschütze möglichst schnell zu drehen und neu auszurichten – Frage zum Wochenbeginn: Ist Markus Söder noch ein vertrauenswürdiger Partner? Armin Laschet: »Ja. Auf jeden Fall« – sendet die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock längst auf jener Frequenz, die eigentlich den Schwarzen vorbehalten war.

Das macht die Grünen für CDU und CSU im Kampf um den ersten Platz bei der Bundestagswahl so gefährlich: Sie bedienen sich der gleichen Methodik, mit der sich die Unionsparteien zu den Staatsparteien der Bundesrepublik entwickeln konnten. In Kurzform: Wählt uns, vertraut uns, wir kümmern uns um den Rest. Keine Experimente. Es wird auch nicht so arg wehtun.

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Annalena Baerbock

Foto: Markus Schreiber / AP

So machte die Union über Jahrzehnte revolutionäre Politik, ohne dass ihre Wählerinnen und Wähler den Eindruck hatten, Teilhaber eines revolutionären Projekts zu sein. Von Adenauers Westintegration über Kohls Einheit bis hin zu Merkels Modernisierungspolitik. Das Zauberwort war: Mitte. Und damit war stets mehr gemeint als die Mitte zwischen Rechts und Links. Es war das »einschließende Dritte«, wie es der italienische Rechtsphilosoph Norberto Bobbio beschrieb: nicht der Kompromiss zwischen links und rechts, sondern die Überwindung des Gegensatzes.

Nun haben allerdings die beiden Staatsparteien CDU und CSU in den vergangenen Monaten im Kampf gegen die Corona-Pandemie versagt, ihr zentrales Schutz- und Kümmerversprechen also nicht erfüllt. Mehr noch: Die Politik der Kanzlerin ist weniger Kümmern als Laissez-faire. Das dynamische Virus richtet Unheil in Deutschland an, die Regierungspolitik wirkt starr, demotiviert, ja hilflos.

An diesem wunden Punkt setzt Baerbock…