Globale Gesellschaft

In Reportagen, Analysen, Fotos, Videos und Podcasts berichten wir weltweit über soziale Ungerechtigkeiten, gesellschaftliche Entwicklungen und vielversprechende Ansätze für globale Probleme.

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Es ist ein trauriger Ort, einer, an dem die Träume von Kindern zerplatzen. Die Unterkunft Noemi Alvarez Quillay für unbegleitete minderjährige Migranten liegt in der Innenstadt von Ciudad Juárez, nahe der Grenze zu den USA, ein unscheinbarer, flacher Betonbau mit vergitterten Fenstern. Mehr als 100 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 3 und 16 Jahren harren derzeit hier aus. Die Eltern von vielen von ihnen sind bereits in den USA.

Die Krise an der mexikanisch-amerikanischen Grenze spitzte sich in den vergangenen Monaten immer weiter zu. Hunderte Kinder aus Lateinamerika kommen derzeit täglich in Mexiko an. Allein im März griff der US-Grenzschutz 19.000 unbegleitete Minderjährige auf amerikanischem Boden auf – mehr als je zuvor in einem Monat. Die Auffanglager in den USA sind überfüllt. Doch wer es über die Grenze schafft, hat zumindest die Hoffnung auf ein neues Leben: Unbegleitete Minderjährige werden derzeit von US-Seite aus nicht sofort abgeschoben.

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Migranten aus Zentralamerika überqueren den Rio Grande, um von Mexiko aus in die USA zu gelangen

Foto: Tayfun Coskun / Anadolu / Getty Images

Anders sieht es aus, wenn Kinder mit ihren Eltern in den USA ankommen. Dann wird die Familie im Rahmen einer Verordnung des Seuchenschutzes, die unter Ex-Präsident Donald Trump erlassen worden war, oft binnen wenigen Stunden zurück nach Mexiko transportiert – ohne Asyl beantragen zu können. Das führt dazu, dass viele Eltern sich inzwischen vor der Grenze von ihren Kindern trennen und sie allein losschicken.

Doch auch das ist keine Garantie: Wenn die Kinder noch auf der mexikanischen Seite von Einsatzkräften gefasst werden – oft passiert das in letzter Minute, knapp…