Meinung

Kritik an Berichterstattung
Warum die Lobpreisung der Annalena Baerbock gefährlich ist

Die Ausrufung von Annalena Baerbock zur Kanzlerkandidatin der Grünen wurde von vielen Medien mit Begeisterung aufgenommen

© Sean Gallup / Getty Images

von Yannik Schüller

27.04.2021, 14:24 Uhr

Vor einer Woche wurde Annalena Baerbock zur Kanzlerkandidatin der Grünen gekürt – begleitet von viel Begeisterung und wenig Distanz seitens vieler Medien.

Die Ausrufung von Annalena Baerbock zur Kanzlerkandidatin der Grünen vor einer Woche hat vieles losgetreten – auch unreflektierte Begeisterung. Über eine potenzielle Kanzlerin ausführlich zu berichten, ist richtig und wichtig. Schließlich ist sie, Stand heute, die womöglich aussichtsreichste Kandidatin. Aber: Sie ist nicht allein. Sie ist eine von Dreien.

Gelitten hat die Objektivität

Statt nüchtern und objektiv über Baerbocks Stärken und Schwächen, ihre Haltung und ihre Kompetenz zu sprechen, wurde sie vielfach zur Heilsbringerin erklärt: „Die Überlegene“ schreibt die „Zeit“. „Die Frau für alle Fälle“ prangt es auf dem „Spiegel“-Cover. Und auch auf dem aktuellen stern-Titel heißt es: „Endlich anders“. Die Geschichten lesen sich am Ende deutlich distanzierter als es die Überschriften vermuten lassen. Doch wie so oft gibt es keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Gelitten hat dabei am Ende vor allem die Objektivität – jenes höchste Gut, dass die Messlatte für jede Form der Berichterstattung sein muss. Einen Kandidaten, eine Kandidatin – egal welcher Partei – zu lobpreisen, verschafft all jenen Munition, die dem Journalismus seit langem Meinungsmache vorwerfen. Natürlich darf (und soll!) jeder Journalist eine Meinung haben. Das bleibt als politisch denkender Mensch nicht aus. Doch: Eine Meinung kommt selten allein.

Gefangen in der eigenen Blase?

Der Branche nun…