In der weltweiten Klimabilanz klafft eine große Lücke. Darauf haben Forscherinnen und Forscher in einer Studie aufmerksam gemacht. Demnach bestehe ein erheblicher Unterschied zwischen der Menge an Treibhausgas-Emissionen, die die Länder melden, und der Menge, die laut unabhängigen Modellen in die Atmosphäre gelangen.

Diese Lücke betrage etwa 5,5 Milliarden Tonnen Kohlendioxid pro Jahr – das entspricht den jährlichen Emissionen der Vereinigten Staaten, dem zweitgrößten Emittenten der Welt. Sie entsteht nicht, weil manche Staaten von ihnen verursachte CO2-Mengen unterschlagen, schreibt ein Team um Giacomo Grassi vom Joint Research Center der Europäischen Kommission im Wissenschaftsmagazin »Nature Climate Change«. Vielmehr liegt der Unterschied an den wissenschaftlichen Methoden, die die Länder verwenden, um im Rahmen des Pariser Abkommens Emissionsmeldungen zu machen und denen von internationalen Modellen. Es geht also nicht darum, dass diese Mengen in den bisherigen Modellen übersehen werden, sondern vor allem darum, wo sie in der Klimabilanz auftauchen.

»Wenn Modelle und Länder eine unterschiedliche Sprache sprechen, wird es schwieriger, die Fortschritte der Länder beim Klimaschutz zu bewerten«, so Grassi. »Um das Problem zu lösen, müssen wir einen Weg finden, diese Schätzungen zu vergleichen.«

Die Emissionslücke könnte dennoch Folgen für einige Nationen haben, konkret mit Blick auf den Nutzen von Waldflächen. Die Lücke sei bei den Nationen am größten, die eine erhebliche Reduzierung ihrer jährlichen Emissionen geltend machen, weil Wälder auf ihrem Territorium Kohlendioxid binden. Zum Beispiel zeigen die Ländermodelle der Vereinigten Staaten und auch anderer Nationen wie Brasilien, Kanada oder Russland mehr kohlenstoffabsorbierendes Waldland als die unabhängigen Modelle angeben. Die Studie stellt fest, dass die nationalen Schätzungen, die flexiblere Definitionen für diese Flächen zulassen, etwa drei Milliarden Hektar mehr bewirtschaftete…