Er nehme lieber in Kauf, dass sich »die Leichen zu Tausenden auftürmen« als einen dritten »verdammten« Lockdown zu verhängen. Das soll der britische Premierminister Boris Johnson laut Recherchen von BBC und der »Daily Mail« im vergangenen Oktober bei einem Treffen gesagt haben. Der Sender beruft sich auf mehrere Insider-Quellen. Johnson selbst bezeichnet die Berichte als »völligen Quatsch«.

Mit dem Dementi ist die Sache aber nicht erledigt. Die Labour-Abgeordnete Rachel Reeves forderte eine Entschuldigung. Der Labour-Vorsitzende und Oppositionsführer Keir Starmer zeigte sich entsetzt: »Jeder wäre verunsichert, vor allem jene Familien, die während der Pandemie jemanden verloren haben.«

Johnson und mehrere seiner Kabinettskollegen weisen die Anschuldigungen vehement zurück. Der Satz sei nicht gefallen, sagen sie. Doch angesichts einer Bilanz von 150.000 Todesfällen in Großbritannien, die mit Covid-19 in Verbindung gebracht werden, wiegen die Vorwürfe schwer. Johnson wird seit Langem angelastet, er habe während der zweiten Pandemiewelle im vergangenen Jahr zu lange mit einem Lockdown gewartet.

Expertinnen und Experten hatten Johnson bereits ab Anfang September empfohlen, Maßnahmen gegen eine zweite Welle einzuleiten. Erst gut sieben Wochen später reagierte er. Zu dem Zeitpunkt infizierten sich in Großbritannien täglich mindestens 50.000 Menschen mit dem Coronavirus. Anfang Januar verhängte Johnson dann einen dritten Lockdown.

Fragwürdige Finanzierung von Johnsons Dienstwohnung

Ärger bereiten dem Regierungschef auch unangenehme Fragen zur Finanzierung der luxuriösen Renovierung seiner Dienstwohnung in der Londoner Downing Street. Johnsons Ex-Berater Dominic Cummings, der sich inzwischen mit dem Büro des Premiers einen offenen Schlagabtausch liefert, hatte brisante Details darüber offenbart. Angeblich soll Johnson versucht haben, die erheblichen Kosten über Parteispenden zu finanzieren. Sein Umfeld beharrt darauf, Johnson habe aus eigener Tasche gezahlt.