Mitten im islamischen Fastenmonat Ramadan haben ägyptische Behörden neun Menschen hingerichtet, darunter einen 82-jährigen Mann. Sie sollen für den Tod mehrerer Polizeibeamten im Jahr 2013 verantwortlich sein. Das berichten ägyptische Medien.

Die neun Exekutierten gehören zu einer Gruppe von ursprünglich 183 Verurteilten. Für alle war in einem ersten Prozess das Todesurteil verhängt worden, in einem späteren Prozess wurde es für die meisten aufgehoben – eine Gruppe von 20 Verurteilten blieb bestehen. Aus dieser Gruppe warten nun elf weitere Personen auf ihre Todesstrafe.

Die Verurteilten sind Anhänger der islamistischen Muslimbruderschaft. Sie sollen im August 2013 eine Polizeistation in dem Kairoer Vorort Kerdasa nahe der Pyramiden von Gisa gestürmt und elf Polizeibeamte getötet haben. Zehn weitere Personen wurden verletzt.

Die Ägypterinnen und Ägypter hatten 2011 den Langzeitherrscher Husni Mubarak gestürzt und dann den Muslimbruder Mohammed Mursi als ersten Präsidenten gewählt. In einem Coup wurde dieser 2013 vom einstigen Feldmarschall Abdel Fattah el-Sisi aus dem Amt gejagt, es kam zu Unruhen zwischen Sicherheitskräften und Anhängern der Muslimbruderschaft. Der Zwischenfall in Kerdasa fand in dieser Zeit statt. Sisi führt Ägypten seither mit harter Hand: Er hat zahlreiche brutale Gesetze erlassen, Zehntausende Oppositionelle wurden in Gefängnisse gesperrt.

Zahl der Hinrichtungen hat sich verdreifacht

»Die Hinrichtungen sind ein abschreckender Beweis für die Missachtung des Rechts auf Leben und der völkerrechtlichen Verpflichtungen durch die ägyptischen Behörden«, sagte Philipp Luther, Direktor für Recherche und Engagement zum Nahen Osten und Nordafrika bei Amnesty International.

Erst in der vergangenen Woche stellte Amnesty International in einem Bericht zur Todesstrafe fest, dass sich die Zahl der registrierten Hinrichtungen in Ägypten im Jahr 2020 verdreifacht hat. Während weltweit die Anwendung der Todesstrafe abnimmt, wurden im vorigen…