Brasiliens nationale Behörde für Gesundheitsüberwachung (ANVISA) hat sich gegen die Einfuhr des russischen Corona-Vakzins „Sputnik V“ ausgesprochen. Es mangele an „konsistenten und zuverlässigen Daten“, hieß es zur Begründung.  Die Entscheidung sei einstimmig gefallen. „Wir werden nicht zulassen, dass Millionen von Brasilianern Produkten ausgesetzt werden, ohne dass die Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit angemessen überprüft wurden“, sagte ANVISA-Präsident Antonio Barra Torres.

Der Direktor der Behörde, Machado Campos, betonte allerdings, der Beschluss gelte nur für den gegenwärtigen Zeitpunkt. Einer Mitteilung zufolge wurden Unzulänglichkeiten sowohl bei der Entwicklung als auch bei der Herstellung des Vektorimpfstoffs festgestellt. Dies schließe alle drei Phasen der klinischen Tests ein.

Verträge über 30 Millionen Dosen

14 Bundesstaaten des größten lateinamerikanischen Landes hatten angesichts der dramatischen Corona-Lage den Import von „Sputnik V“ beantragt und entsprechende Verträge über den Erwerb von mehr als 30 Millionen Impfdosen unterschrieben. Die Zentralregierung hatte weitere zehn Millionen Dosen bestellt.

Die russische Seite kritisierte die Entscheidung scharf. „Die Verzögerungen bei der Genehmigung von ‚Sputnik V‘ durch ANVISA sind leider politischer Natur und haben nichts mit dem Zugang zu Informationen oder mit Wissenschaft zu tun“, teilte der Hersteller des Vakzins mit. Er beschuldigte die US-Regierung, sie habe Brasilien überredet, den Impfstoff nicht zu verwenden. Der Kreml wollte sich zu dem Fall nicht inhaltlich äußern. Dafür lägen der Regierung nicht genügend Informationen vor, sagte ein Sprecher von Präsident Wladimir Putin.

Naserümpfen in Fachkreisen

Russland hatte „Sputnik V“ im August zugelassen, noch vor Abschluss der üblichen wissenschaftlichen Studien. Dies stieß international auf Ablehnung in Fachkreisen. Mindestens 60 Länder weltweit haben den Einsatz des Vakzins inzwischen gebilligt. Zuletzt erteilte Indien…