Die USA sehen wegen des Konflikts in der  äthiopischen Region Tigray ein „wachsendes Risiko einer Hungersnot“. Sie seien angesichts der sich verschlechternden humanitären Lage und wegen der Menschenrechtsverstöße sehr besorgt, erklärte das US-Außenministerium nach einem Telefongespräch von Ressortchef Antony Blinken mit dem äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed. Blinken habe auch darauf hingewiesen, Washington verfüge bisher über keinen Beweis, dass das benachbarte Eritrea wie versprochen alle Soldaten aus Tigray abgezogen habe. Außerdem müssten alle Kampfhandlungen sofort beendet werden, forderte der US-Außenminister.

US-Außenminister Antony Blinken

Menschenrechtsorganisationen sammelten bereits zahlreiche Belege für die Verwicklung eritreischer Truppen in Massaker in Tigray. Zudem sollen Soldaten Frauen systematisch vergewaltigt haben. Im März hatte Abiy mitgeteilt, Eritrea ziehe seine Soldaten aus der nordäthiopischen Provinz ab.

Weit mehr als eine Million Menschen sind nach Angaben der Vereinten Nationen innerhalb der äthiopischen Konfliktregion auf der Flucht. Die tatsächliche Zahl der vor der herrschenden Gewalt Geflohenen könnte laut der Internationalen Organisation für Migration weit höher liegen, da viele Teile der Region weiter nicht zugänglich sind. Etwa 2,3 Millionen Menschen benötigen dringend humanitäre Hilfe.

Äthiopische Soldaten auf Patrouille bei Mekelle (Archivbild)

„In größeren Städten ist das Leben wieder zur Normalität zurückgekehrt“, sagte die Ostafrika-Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Alyona Synenko. Sie war kürzlich in die Regionalhauptstadt Mekelle gereist. Aber sobald man die Städte verlasse, sehe die Lage ganz anders aus. In vielen entlegenen Regionen Tigrays tobten nach wie vor Kämpfe.

Tausende von Äthiopiern hausen nach den Worten der Rot-Kreuz-Sprecherin in Flüchtlingscamps. Es mangelt an Lebensmitteln und Trinkwasser. Die Helfer befürchten den Ausbruch von…