Es brauchte schon eine Pandemie, damit Deutschland erkannte, was es an Menschen wie Uğur Şahin und Özlem Türeci hat. Im vergangenen November wurde das Wissenschaftler-Ehepaar schlagartig berühmt, weil das von ihm gegründete Forschungsunternehmen Biontech einen Durchbruch verkünden konnte: Der Coronaimpfstoff wirkte! Heute steckt die neu entwickelte Vakzine in den Körpern von Millionen, sie hat unzähligen Menschen das Leben gerettet – und dem Unternehmensstandort Deutschland ein neues Selbstwertgefühl gegeben. Solange es Gründer wie Şahin und Türeci gibt, läuft nicht alles schief.

Gleichzeitig hat der unwahrscheinliche Erfolg des Medizin-Start-ups ein Schlaglicht auf die treibende Kraft hinter der wirtschaftlichen Innovation geworfen. Ob Tourismus, E-Commerce oder Pharmaforschung: Wo immer in Deutschland Neues entwickelt wird, spielen Gründer und Gründerinnen mit Migrationserfahrung eine wichtige Rolle. Im Falle von Biontech sind es die Kinder türkischer Einwanderer, die einen der ersten Impfstoffe gegen das Coronavirus entwickelten. Das Reise-Start-up Omio, das mittlerweile über eine Milliarde Euro wert ist, wurde von dem in Indien geborenen Naren Shaam gegründet. Und auch die junge Branche der Turbo-Lebensmittellieferungen wird mit dem Berliner Start-up Gorillas von einem Einwanderer angeführt.

Insgesamt nehmen Gründerinnen und Gründer mit Migrationshintergrund einen Anteil von rund 20 Prozent der Neugründungen in Deutschland ein, besonders hoch sind die Zahlen in Berlin und Nordrhein-Westfalen. Das ergab eine Auswertung des Bundesverbands Deutsche Start-ups und der Friedrich-Naumann-Stiftung, die dem SPIEGEL vorliegt.

Jünger, besser ausgebildet und internationaler

Mehr als die Hälfte der im »Migrant Founders Report« erfassten Unternehmer sind dabei Einwanderer erster Generation, nur 43 Prozent sind in Deutschland geboren. Was alle diese Start-ups gemeinsam haben: Sie sind im Schnitt jünger, besser ausgebildet und internationaler als der typische…