In Spanien haben Unbekannte erneut einem Mitglied der linken Regierung einen Drohbrief geschickt. Das Büro von Industrie-, Handels- und Tourismusministerin Reyes Maroto bekam am Montag einen Umschlag mit einem offenbar blutverschmierten Messer. Entsprechende Medienberichte wurde vom Innenministerium in Madrid bestätigt. Die Polizei habe Ermittlungen eingeleitet, hieß es.

»Drohungen und Gewalt werden die Stimme der Demokratie niemals zum Schweigen bringen. Die Freiheit wird sich durchsetzen«, schrieb die Ministerin in einer ersten Reaktion auf Twitter.

Erst vor wenigen Tagen hatten Innenminister Fernando Grande-Marlaska, der Chef des Koalitions-Juniorpartners Unidas Podemos, Pablo Iglesias, sowie die Direktorin der Polizeieinheit Guardia Civil, María Gámez, Drohbriefe mit Gewehrkugeln erhalten.

Die meisten Politiker gingen am Mittwoch offensichtlich von einem rechtsradikalen Hintergrund der Drohung aus. Doch im Fall von Ministerin Maroto hat die Polizei offenbar bereits einen Tatverdächtigen identifiziert, auf dem Umschlag hatte er eine Adresse angegeben. Nach Angaben spanischer Medien, die sich auf Quellen in der Polizei berufen, soll es sich um eine Person handeln, die unter mentalen Problemen leidet. Offiziell hat die Polizei das bisher nicht bestätigt.

Wahlkampf in Madrid eskaliert

In Spanien eskaliert derzeit der Wahlkampf vor der Regionalwahl am 4. Mai in Madrid. Sollten die Sozialisten – entgegen der schlechten Umfragewerte – bei der Regionalwahl doch noch triumphieren, würde Maroto wohl Mitglied der Regierung.

Am Freitag war eine Live-Debatte der Kandidaten im Radiosender Cadena Ser nach einem heftigen Wortgefecht abgebrochen worden. Iglesias, der als Vizeregierungschef zurückgetreten ist, um in Madrid als Spitzenkandidat von Podemos anzutreten, verließ die Runde erbost, weil die Kandidatin der rechtsextremen Partei Vox, Rocío Monasterio, die Drohungen gegen Iglesias nicht verurteilen wollte. Stattdessen sagte Monasterio: »Dieser Regierung glaube ich…