1. Beim Impfgipfel fordern Öffnungsbefürworter gleiche Rechte für Geimpfte und Getestete – Angela Merkel hält wohl aus guten Gründen dagegen

Ein deutscher Bundeskanzler hat mal den schönen Satz gesagt: »Wir leben zwar unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht den gleichen Horizont.« Der Satz von Konrad Adenauer fiel mir heute wegen der aktuellen Gleichheitsbegeisterung vieler Menschen ein, von denen man das gar nicht unbedingt erwartet. Adenauers später Parteikollege Carsten Linnemann zum Beispiel warb heute für »Gleichbehandlung«. Linnemann ist Chef des sogenannten Wirtschaftsflügels der CDU und drängt, wie es scheint, auf mehr Chancengleichheit der Bürgerinnen und Bürger beim Konsum und beim Arbeiten. »Ich halte die Gleichbehandlung bei den Öffnungen von Geimpften, Genesenen und negativ Getesteten für gesellschaftlich dringend geboten«, sagt er, »ansonsten droht ein weiterer Riss durch die Gesellschaft.«

Weil aber nach Meinung vieler Fachleute eine Verschärfung der Infektionslage droht, wenn Geimpfte und Getestete gleichgestellt werden, ist die Bundeskanzlerin Angela Merkel offenbar gegen diese Gleichstellung. Im Entwurfpapier zum heutigen Impfgipfel heißt es: »Es ist nach aktueller Feststellung des Robert Koch-Instituts davon auszugehen, dass Geimpfte und Genesene ein geringeres Risiko haben, andere Menschen anzustecken, als durch einen Antigentest negativ Getestete.« Deswegen könne es notwendig sein, Geimpfte und Genesene besserzustellen als jene Bürgerinnen und Bürger, die nur einen negativen Antigen-Schnelltest vorweisen können.

»Natürlich sollten Geimpfte wieder ihre Grundrechte zurückerhalten, sobald sie das zweite Mal geimpft sind«, sagt meine Kollegin Milena Hassenkamp aus dem Berliner Büro. »Das Ansteckungsrisiko ist dann laut aktueller Studienlage deutlich gesenkt, sodass man sie behandeln kann wie Menschen, die zuvor negativ auf das Virus getestet wurden. Es war wichtig, zuerst Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen zu…