Der US-Präsident habe über die „schmerzhaften Ereignisse“ während des Ersten Weltkriegs vor mehr als einem Jahrhundert „haltlose, ungerechtfertigte und wahrheitswidrige“ Aussagen gemacht, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in Ankara. Sie hätten keine rechtliche und historische Grundlage und hätten das türkische Volk betrübt.

„Zerstörerische“ Auswirkungen

Erdogan warf den USA vor, Druck von armenischen und anti-türkischen Interessengruppen nachgegeben zu haben. Das ändere aber nichts an der „zerstörerischen“ Auswirkung der Aussagen auf die türkisch-amerikanischen Beziehungen. Dieser „Fehltritt“ Bidens belaste die Beziehungen. Er hoffe, dass die USA den falschen Schritt umgehend rückgängig machten, sagte Erdogan. 

Demonstranten in Boston marschieren am Samstag gegen den Völkermord an den Armeniern

Biden hatte in einer vom Weißen Haus verbreiteten Mitteilung zum Gedenktag der Massaker am Samstag erklärt, „das amerikanische Volk ehrt all jene Armenier, die in dem Völkermord, der heute vor 106 Jahren begann, umgekommen sind.“ Das türkische Außenministerium und zahlreiche hochrangige Politiker hatten die Anerkennung des Genozids durch Biden daraufhin scharf verurteilt. Erdogan selbst hatte sich aber zunächst nicht geäußert.

Während des Ersten Weltkriegs waren Armenier systematisch verfolgt und unter anderem auf Todesmärsche in die syrische Wüste geschickt worden. Historiker sprechen von Hunderttausenden bis zu 1,5 Millionen Opfern. Die Türkei als Nachfolgerin des Osmanischen Reiches gesteht den Tod von 300.000 bis 500.000 Armeniern während des Ersten Weltkrieges ein und bedauert die Massaker. Eine Einstufung als Völkermord weist sie jedoch strikt zurück.

Stimmen zu einem Jahrhundertverbrechen

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