In der Pandemie könnte Deutschland etwas verlieren, auf das die Wirtschaft eigentlich ganz besonders angewiesen sein müsste: Unternehmergeist und Eigeninitiative. Die Zahl der Firmen-Gründer und Selbstständigen ist in der Pandemie erheblich gesunken. Laut einer Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung wird es Ende des Jahres wohl rund 300.000 Selbstständige weniger geben als vor Ausbruch der Pandemie.

Der Verband der Gründer und Selbstständigen (VGSD) schlägt deshalb Alarm. »Die Entwicklung ist dramatisch«, warnt Verbandsvorstand Andreas Lutz. Deutschland brauche eigentlich langfristig mehr Unternehmens- und Firmengründer, »um nicht weiter an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren und den erheblichen Rückstand bei der Digitalisierung aufzuholen, der unser Land bremst.«

600.000 Selbstständige weniger als 2014

In der Coronakrise haben viele Selbstständige damit zu kämpfen, dass sie bei vielen staatlichen Hilfsprogrammen durch das Raster fallen. Viele Maßnahmen sind maßgeschneidert für größere Betriebe, während kleinere Firmen den hohen bürokratischen Aufwand kaum bewältigen können. Zudem zog sich die Auszahlung zugesagte Hilfszahlungen oft über Monate hin.

Die Zahl der Selbstständigen geht bereits seit Jahren zurück. 2014 lag ihre Zahl noch bei knapp 4,5 Millionen Personen, zuletzt sank sie unter die Marke von vier Millionen. »Wir brauchen eine Politik, die unsere Lebenswirklichkeit versteht und unseren Beitrag zu Wirtschaft und Gesellschaft wertschätzt, statt unseren Fleiß und unsere Eigeninitiative mit immer mehr Bürokratie zu ersticken«, mahnt Verbands-Chef Lutz. Konkret benötigten die Selbstständigen Rechts- und Planungssicherheit in Hinblick auf ihren Status als Selbstständige sowie ihre Altersvorsorge sowie fair berechnete Sozialversicherungsbeiträge.

Der 2012 gegründete VGSD vertritt die Interessen von rund 20.000 Mitgliedern, darunter viele Kleinstunternehmer und Solo-Selbständige.