Der milliardenschwere Streit in der Tengelmann-Eigentümerfamilie Haub ist nach Angaben der beratenden Anwälte beendet. Die Ehefrau des seit drei Jahren vermissten Karl-Erivan Haub, Katrin Haub, und ihre beiden Kinder verkaufen ihre Beteiligung an der Tengelmann Warenhandels-KG an Vorstandschef Christian Haub, wie die Rechtsanwälte Mark Binz und Peter Gauweiler am Montag mitteilten.

Christian Haub, der Bruder des seit einer Skitour am Kleinen Matterhorn in der Schweiz Verschollenen, übernimmt damit voraussichtlich im Mai die Mehrheit an der Unternehmensgruppe. »Wir haben sehr harte Verhandlungen geführt, die aber letztlich auf Fairness und einem gesteigerten gegenseitigen Verständnis fußten«, erklärten Binz und Gauweiler.

Zu Tengelmann gehören neben der Baumarktkette OBI und dem Billig-Textilhändler Kik auch zahlreiche Start-up-Beteiligungen. Tengelmann Ventures war einer der ersten Investoren in den Online-Modehändler Zalando. Tengelmann beschäftigt nach eigenen Angaben rund 90.000 Mitarbeitern und kommt auf einen Umsatz von 8,1 Milliarden Euro.

Christian Haub hatte nach dem mutmaßlichen Tod seines Bruders die alleinige Führung von Tengelmann übernommen. Nach langem Zögern willigte Katrin Haub ein, ihren Ehemann für tot erklären zu lassen. Die Frist dafür läuft am 12. Mai ab; bis dahin agiert Katrin Haub als Abwesenheitspflegerin für Karl-Erivan Haub.

Zum Kaufpreis für knapp ein Drittel der Tengelmann-Anteile äußerten sich die Anwälte nicht. Nach einem Bericht des »Manager Magazin« hatte Katrin Haub 1,9 Milliarden Euro gefordert, ihr Schwager habe eine Milliarde weniger bezahlen wollen. Das letzte Drittel an Tengelmann liegt beim dritten Bruder Georg Haub.