SPIEGEL: Herr Nowak, Sie sind als Berater spezialisiert auf Organisations- und Führungsfragen. Die vergangenen Tage waren bestimmt von Fragen der Führung. Die Grünen haben das Antiautoritäre in die Politik eingeführt, jetzt haben sie in einem disziplinierten Verfahren von der Spitze aus die K-Frage entschieden. Die Union wiederum wählte einen eher chaotischen – sagen wir: antiautoritären – Prozess. Wie beurteilen Sie das?

Nowak: Sie kommen ja von unterschiedlichen Ufern, die Grünen haben ihre chaotische Pionierphase hinter sich und haben eine Phase der Konsolidierung durchlaufen, die solche eher hierarchischen Entscheidungen begünstigt. Die Union glaubt dagegen, mehr partizipative Elemente einführen zu müssen. Aber solch ein Prozess muss auch zu der Kultur einer Organisation passen. Dieser Kulturwandel ist den Grünen offensichtlich besser gelungen als der Union.

Zur Person

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Foto: privat

Claus Nowak,71, ist Autor und Honorarprofessor für Personal- und Organisationsentwicklung an der Universität Hamburg. In seiner Laufbahn als Coach und Berater von Unternehmen war er sowohl für die Daimler AG als auch für Pro Familia tätig. Sein neues Buch »Konfliktlandschaften – Konflikte in Organisationen erkennen, analysieren und lösen« ist kürzlich im Limmer-Verlag erschienen.

SPIEGEL: Aber seit wann passt denn ein Prozess, bei dem die Spitze allein entscheidet, zu den Grünen?

Nowak: Es kommt darauf an, welcher Eindruck am Ende beim Publikum entsteht. Die Partei hat ihren beiden Führungsfiguren zugetraut, dass sie das untereinander hinbekommen. Bei der Union hat das nicht funktioniert. So hat die Union Glaubwürdigkeit eingebüßt und die Grünen hinzugewonnen. In früheren Zeiten haben die Grünen ähnliche Fehler gemacht wie die Union jetzt. Sie haben sich öffentlich interne Schlachten geliefert und dafür auch vom Wahlvolk die Quittung bekommen. Wenn eine Organisation sich vor allem mit sich selbst beschäftigt –…