Bei den Parlamentswahlen in Albanien führen ersten Hochrechnungen zufolge die regierenden Sozialisten. Laut dem Sender „Top Channel TV“ liegen sie am Sonntagabend mit 46,9 Prozent der Stimmen vorn.

Damit könnte der 56-jährige Ministerpräsident Edi Rama eine dritte Amtszeit antreten. Er regiert das kleine Balkanland bereits seit acht Jahren. Die oppositionelle Demokratische Partei vereinigt demnach 43,5 Prozent der Stimmen auf sich. Mit offiziellen Ergebnissen wird nicht vor Montag gerechnet.

Im Vorfeld der Abstimmung wurde mit einem Kopf-an-Kopf Rennen zwischen den seit zwei Wahlperioden regierenden Sozialisten und der Demokratischen Partei gerechnet. Wunsch vieler Wähler ist ein Ende der weit verbreiteten Korruption.

Edi Rama, ein Künstler und ehemaliger Basketballer, hatte im Wahlkampf vor allem mit der Corona-Impfkampagne für sich geworben. Bis Ende Juni sollen 500.000 Menschen geimpft sein. Das wichtigste Wahlkampfversprechen der Opposition war die Ankurbelung der Wirtschaft durch Hilfen für kleine Unternehmen.

Albanien nimmt im Korruptionsindex von Transparency Internationel (TI) den 104. Platz von 180 ein. Je höher der Wert ist, umso korrupter ist nach TI-Angaben das Land. Vor der Wahl war es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. Am Mittwoch wurde ein Anhänger der Sozialisten bei einer Schießerei vor einem Büro der Demokratischen Partei getötet. Vier Menschen wurden verletzt.

Reformen sollen EU-Kurs ermöglichen

Der Balkanstaat mit seinen 2,8 Millionen Einwohnern zählt zu den ärmsten Ländern Europas. Die Corona-Pandemie hat die wirtschaftliche Lage noch verschlechtert, da wichtige Einnahmen aus dem Tourismussektor fehlen.

Seit 2014 ist Albanien offizieller EU-Beitrittskandidat. Alle Parteien waren mit einem pro-europäischen Programm angetreten und hatten im Fall eines Wahlsiegs die für einen EU-Beitritt notwendigen Reformen versprochen.