Internationale Beziehungen
Ankara weist Bidens Aussage zu Massakern an Armeniern zurück

Verärgert über US-Präsident Bidens Aussage: Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu. Foto: -/Pool Turkish Foreign Ministry/AP/dpa

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Seit Jahrzehnten vermeiden US-Präsidenten, die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord zu bezeichnen. Joe Biden bricht damit und hat nun den Nato-Partner Türkei erärgert.

Trotz Warnungen der Türkei hat US-Präsident Joe Biden die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkrieges als Völkermord anerkannt und damit für Missstimmung in Ankara gesorgt.

«Das amerikanische Volk ehrt all jene Armenier, die in dem Völkermord, der heute vor 106 Jahren begann, umgekommen sind», hieß es gestern in einer vom Weißen Haus verbreiteten Mitteilung Bidens zum Gedenktag an die Massaker. Im Wahlkampf hatte Biden eine Anerkennung der Massaker an den Armeniern als Völkermord versprochen.

Das türkische Außenministerium wies die Erklärung Bidens «in schärfster Form» zurück, wie die Agentur Anadolu berichtete. Zudem habe die Aussage Bidens, «der weder legale noch moralische Autorität zur Bewertung historischer Ereignisse hat, keinen Wert». Bidens Erklärung, die «historische Fakten verzerre», reiße eine tiefe Wunde, die das gegenseitige Vertrauen und die Freundschaft der beiden Länder untergrabe. Noch am Samstagabend sei der US-Botschafter in Ankara in das türkische Außenministerium einbestellt worden, berichtete Anadolu weiter.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu wies die Aussage «vollständig» zurück. Sie basiere «nur auf Populismus», schrieb er auf Twitter. «Wir haben nichts von niemandem über unsere eigene Vergangenheit zu lernen. Politischer Opportunismus ist der größte Verrat an Frieden und Gerechtigkeit.» Ankara hatte die US-Regierung…