In Paris und anderen französischen Städten wie Marseille, Lyon und Straßburg haben mehr als 25.000 Menschen gegen einen Beschluss der französischen Justiz im Fall des Mordopfers Sarah Halimi protestiert, wie das Innenministerium mitteilte. „Der Aufschrei hat sich erhoben und die Hoffnung ist zurückgekehrt. Diese Hoffnung sind Sie alle hier“, sagte Halimis Bruder William Attal vor tausenden Demonstranten auf der Trocadero-Promenade in Paris. An der Kundgebung nahm auch der Abgeordnete Christophe Castaner teil, der die Partei „Republik im Aufbruch“ von Präsident Emmanuel Macron anführt. Auch die ehemalige First Lady Frankreichs, Carla Bruni, Ehefrau von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, gehörte zu den Demonstranten.

In Israel versammelten sich Hunderte von Menschen vor der französischen Botschaft in Tel Aviv und schwenkten französische und israelische Flaggen sowie Plakate mit Slogans wie „Schande über Frankreich“. „Ich schäme mich, Französin zu sein, das Frankreich meiner Kindheit gibt es nicht mehr“, sagte Roselyne Mimouni, eine französisch-israelische Rentnerin. An der Kundgebung nahmen Abgeordnete des gesamten politischen Spektrums teil. Die israelische Diaspora-Ministerin Omer Yankelevitch nannte die Entscheidung des Gerichts „absurd, skandalös und gefährlich“.

Täter in psychiatrischer Behandlung

Im April 2017 hatte ein 27-jähriger Nachbar Halimis unter „Allah-Akbar“-Rufen (Gott ist groß) auf die 65-jährige Jüdin eingeprügelt, dabei Koranverse zitiert und sie über die Balkonbrüstung ihrer Sozialwohnung im Pariser Osten in die Tiefe gestürzt. Er wurde jedoch wegen einer Psychose infolge von Cannabis- und Alkoholkonsum vor Gericht für unzurechnungsfähig erklärt und sitzt nun für mindestens 20 Jahre in der Psychiatrie.

Die Hinterbliebenen der jüdischen Frau klagten dagegen, unterlagen jedoch vergangene Woche vor dem Pariser Kassationshof, der obersten juristischen Instanz Frankreichs. Sie wollen nun vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte…