Globale Gesellschaft

In Reportagen, Analysen, Fotos, Videos und Podcasts berichten wir weltweit über soziale Ungerechtigkeiten, gesellschaftliche Entwicklungen und vielversprechende Ansätze für globale Probleme.

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Der Tag, an dem David Machado sterben sollte, begann mit einer Limonade im Garten seiner Mutter, umgeben von Blumen, Obstbäumen und Bienen. Danach kümmerte der Kolumbianer sich um die Gemüsefelder, am Nachmittag traf er seine Freundin zu einem Spaziergang. Gegen 18 Uhr tauchte plötzlich ein Lkw auf der Straße auf und Männer mit Motorrädern. Sie hetzten Hunde auf die beiden, schossen auf Machado, so erzählt er es.

Der 26-Jährige rannte mit seiner Freundin in den Wald, immer weiter. Sie hörten die Schüsse und das Bellen. Sie rannten um ihr Leben, Machado weinte, während er lief. Es wurde dunkel. Als sie nicht mehr konnten, versteckten sie sich, versuchten per Handy Hilfe zu rufen. Dann rannten sie weiter. Mehr als fünf Stunden später wurde es plötzlich still, die Verfolger verschwanden. »Als seien sie gewarnt worden«, sagt Machado. Kurze Zeit später tauchte die Polizei auf, da war es fast Mitternacht.

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Der kolumbianische Umweltaktivist David Machado und seine Freundin entkamen nur knapp einem Mordanschlag

Illustration: Matthias Schardt / kombinatrotweiss / DER SPIEGEL

Die Angst ist geblieben. Sie bestimmt das Leben von David Machado, hat sich eingenistet in seinem Kopf, in jeder Zelle seines Körpers, frisst tagsüber seine Gedanken und nachts seine Träume. An einem Montag im März, mehr als ein Jahr nach dem Anschlag, sitzt er auf der Dachterrasse einer Umweltorganisation in der kolumbianischen Region Tolima, ein hagerer junger Mann in einem roten Poloshirt, auf dem Arm das Tattoo einer Eule. »Die Natur ist meine große Liebe, und ich werde niemals aufhören, sie zu verteidigen«, sagt Machado. »Aber es ist ein harter Kampf.«

Ein Kampf, der für viele…