Jetzt steckt die »Ever Given« zum zweiten Mal im Suezkanal fest. Diesmal aber nicht quer in einem engen Kanalabschnitt, sondern im kilometerbreiten Großen Bittersee zwischen dem nördlichen und dem südlichen Kanalteil.

Sie blockiert nicht mehr den Schiffsverkehr durch das Nadelöhr der globalen Handelsschifffahrt. Ja, sie könnte mit ihrer 25-köpfigen Besatzung laut der Betreibergesellschaft sogar aus eigener Kraft weiter fahren: gen Rotterdam, um die rund 18.000 Container an Bord endlich bei ihrem Zielhafen abzuliefern.

Seit dem 29. März ankert die »Ever Given« im Großen Bittersee. An jenem Montag vor vier Wochen wurde der 400 Meter lange Containerfrachter herausmanövriert aus dem südlichen Kanalabschnitt. Den hatte die »Ever Given« sechs Tage lang versperrt – und so einen Megastau von rund 400 Schiffen verursacht. Manche davon erreichen erst dieser Tage ihre Zielhäfen in Europa oder Fernost.

Ägypten fordert 916 Millionen Dollar

Die Blockade hat sich aufgelöst. Nicht aber der Streit über den Schadensersatz, den die »Ever Given«-Eigentümer nun leisten sollen.

916 Millionen US-Dollar fordert Ägyptens Suezkanal-Behörde von der japanischen Gesellschaft Shoei Kisen und deren Tochterunternehmen Luster Maritime aus Panama – je fast ein Drittel davon allein für die aufwendige Bergung und für Rufschädigung. Laut der Nachrichtenagentur Reuters sollen die Schiffseigner aber nur 100 Millionen Dollar geboten haben; Shoei Kisen äußert sich nicht dazu.

Und so haben die Ägypter als Pfand die »Ever Given« beschlagnahmt. Mitsamt den rund 18.000 Containern. Auch die Crew wurde festgesetzt: nur zwei Männer durften aufgrund akuter Notfälle von Bord.

Der Beschluss, das Schiff zu arretieren, sei »extrem enttäuschend«, klagt Ian Beveridge, Chef der für das Schiffsmanagement zuständigen Hamburger Reederei Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM). Der Zwischenfall habe keine Umweltschäden verursacht. Und: man habe von Anfang an bei der Aufklärung des Unglücks mit…