Indien sendet Hilferufe in alle Welt, weil das Gesundheitssystem in der heftigen aktuellen Coronawelle dabei ist zusammenzubrechen. Auch Nachbar Pakistan hat den Alarm wahrgenommen – und reagiert: Das Land bietet Indien an, es mit medizinischen Gütern zu beliefern. Als eine »Geste der Solidarität« mit der indischen Bevölkerung wolle man Beatmungsgeräte, digitale Röntgengeräte, Schutzkleidung und andere Ausrüstung bereitstellen, teilte das pakistanische Außenministerium in einer Aussendung am späten Samstagabend mit.

Die Behörden Pakistans und Indiens könnten Modalitäten für die schnelle Lieferung der Hilfsgüter ausarbeiten, hieß es weiter. Man könne zudem nach Möglichkeiten für eine weitere Zusammenarbeit suchen, um die mit der Pandemie verbundenen Herausforderungen zu bewältigen.

Selbstverständlich ist der Schritt nicht. Die Länder sind verfeindet. Pakistans Premierminister Imran Khan nannte Indien gegenüber dem SPIEGEL vor wenigen Monaten einen »faschistischen Staat, inspiriert von den Nazis«. Lesen Sie hier das ganze Interview.

Indien mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern kämpft aktuell mit einer großen zweiten Corona-Welle. Diese Woche wurden binnen nur vier Tagen mehr als eine Million Corona-Neuinfektionen registriert. Aber auch das Gesundheitssystem Pakistans ist wegen der zunehmenden Anzahl von Corona-Erkrankungen immer stärker überlastet. Am Samstag wurden 4682 Patienten auf Intensivstationen behandelt – eine Rekordzahl.

Zuletzt gab es immer wieder versöhnlichere Töne zwischen den rivalisierenden Nachbarstaaten, die bereits mehrere Kriege gegeneinander geführt haben. Ende Februar hatten Islamabad und Neu-Delhi überraschend eine strikte Einhaltung ihres Waffenstillstands vereinbart. Dieser war bereits 2003 unterzeichnet worden. Trotzdem war es immer wieder zu militärischen Zwischenfällen entlang der 740 Kilometer langen Kontrolllinie gekommen, die die zwischen den Ländern umstrittene Region Kaschmir in ein indisch und ein…