Der Generalstaatsanwalt von Maryland, Brian Frosh, sowie Gouverneur Larry Hogan haben angekündigt, sämtliche Berichte über Todesfälle in Polizeigewahrsam prüfen zu lassen, die der ehemalige Gerichtsmediziner David Fowler während seiner Amtszeit zwischen 2002 und 2019 erstellt hat. Die Ankündigung erfolgte am Freitag, nachdem die Staatsanwaltschaft einen offenen Brief von über 400 US-Medizinern erhalten hatte, in dem diese die Arbeit des emeritierten Pathologen nach dessen Aussagen im Prozess um den Tod des Afroamerikaners George Floyd infrage stellten.

Fowler hatte im Mordprozess gegen den ehemaligen Polizisten Derek Chauvin in Minneapolis ausgesagt, dass er den Tod George Floyds bei dem Polizeieinsatz im Mai 2020 auf plötzliche Rhythmusstörungen wegen einer Herzerkrankung zurückführte und die Todesursache für eher ungeklärt halte. Damit widersprach er mehreren Sachverständigen, die zuvor ausgesagt hatten, Floyd sei wegen der Art, wie er durch die Polizei festgehalten wurde, an Sauerstoffmangel gestorben. Chauvin, der neun Minuten und 29 Sekunden auf Floyd gekniet hatte, wurde schließlich in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen.

Fowler sagte der Baltimore Sun, er sei sich keiner Überprüfung bewusst und verteidigte die Arbeit seiner Behörde. Er verwies darauf, dass er nicht allein verantwortlich für Autopsieberichte sei. Zu seinen Aussagen im Mordprozess gegen Chauvin wollte er sich nicht äußern.

Ein Sprecher des zuständigen Office of the Chief Medical Examiner (OCME) sagte, die Behörde sei der Transparenz verpflichtet und werde bei einer Untersuchung voll kooperieren.

Gegen Fowler und weitere Beamte läuft derzeit eine Klage im Fall des 19-jährigen Anton Black, der 2018 in Polizeigewahrsam in Maryland ums Leben kam. Fowler hatte auch in diesem Fall geurteilt, Blacks Tod sei nicht auf die Handlungen der Polizei zurückzuführen, die ihn vor seinem Tod sechs Minuten lang auf den Boden gedrückt hatten.