Der Kampf gegen Malaria ist in den USA Chefsache, zumindest dem Namen nach. Die »US President’s Malaria Initiative« ist fast schon eine Institution in den Vereinigten Staaten. Sie besteht seit immerhin 15 Jahren und hat sich dem Kampf gegen Malaria verschrieben. US-Präsident Joe Biden wollte der Initiative nun neuen Schwung geben und hat 30 Millionen US-Dollar (circa 25 Millionen Euro) für Forschungsprojekte rund um die Tropenkrankheit lockergemacht.

Doch kurz nach der Verkündung des Geldsegens hagelte es Kritik, vor allem aus Afrika. Denn um die Initiative zu planen und zu steuern, wurde ein Konsortium aus insgesamt acht Projektpartnern auserkoren. Das Problem: Kein Einziger davon sitzt auf dem afrikanischen Kontinent, sondern alle stammen aus dem globalen Norden. Forschung über Afrika ohne Afrikaner, zumindest auf der unmittelbaren Entscheidungsebene. Zwar will man mit Partnern vor Ort zusammenarbeiten, doch im steuernden Konsortium sind die nicht vertreten.

Mehrere afrikanische und afrikanischstämmige Wissenschaftler sind dagegen Sturm gelaufen – zunächst auf Twitter, dann in einem offenen Brief in der renommierten Wissenschaftszeitschrift »Nature Medicine«.

Übel stößt ihnen auch der Name der Forschungsinitiative auf: INFORM. Denn der scheint sogar aus Afrika geklaut – in Kenia läuft seit vielen Jahren unter eben jenem Namen ein erfolgreiches Forschungsprojekt mit dem gleichen Ansatz. Die nigerianisch-amerikanische Wissenschaftlerin Ngozi Erondu hat dort mitgearbeitet und gehört zu den Initiatoren des Protestes.

SPIEGEL: 30 Millionen US-Dollar für Forschung zu Malaria klingt ja erst mal nach einer guten Sache. Was ist das Problem?

Ngozi Erondu: Ich habe beim kenianischen INFORM-Projekt mitgearbeitet. Ich weiß also, wer es erfunden hat. Deswegen hat es mich echt umgehauen, dass sie sogar so dreist waren, den Namen zu klauen. Das konnte ich einfach nicht auf sich beruhen lassen. Also habe ich im Februar einen Tweet verfasst und einige afrikanische Forscher,…