Krankenwagen stehen Schlange vor den Notaufnahmen, und das orangefarbene Licht der Scheiterhaufen flackert am Nachthimmel: Was Amit Gupta, ein Mediziner aus Oxford, in seinem Gastbeitrag auf dem Nachrichtenportal von »New Delhi TV« beschreibt, nennt er selbst »apokalyptisch«. Diese Szenen beschrieben jedoch nichts weiter als »die Tragödie«, die sich derzeit in Indien entfalte, »in einem Krankenhaus nach dem anderen, in einer Stadt nach der anderen«. Der Arzt ruft zu einem offiziellen Lockdown in ganz Indien auf – bisher gibt es dort nur Maßnahmen zur kleinräumigen Eindämmung der Pandemie. Angesichts der dramatischen Lage fragt Gupta: »Worauf warten wir noch?«

346.786 Fälle an nur einem Tag, in nur einem Land: Indien vermeldet einen weltweiten Höchstwert bei Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Und das nun den dritten Tag in Folge. Damit hat das südasiatische Land allein in den vergangenen drei Tagen rund eine Million Menschen als infiziert gemeldet.

Die Lage in den Krankenhäusern ist dramatisch. Denn angesichts der vielen Covid-19-Patienten ist die medizinische Versorgung an vielen Orten kaum noch gewährleistet. Mit einem flammenden Appell wandte sich bereits der Regierungschef für die Hauptstadtregion Delhi, Arvind Kejriwal, an Ministerpräsident Narendra Modi. »Bitte helft uns, Sauerstoff zu bekommen, sonst kommt es hier zu einer Tragödie.« Die indische Regierung setzt bereits Militärflugzeuge und Züge ein, um Sauerstoff aus verschiedenen Regionen im In- und Ausland nach Delhi zu bringen.

»Auch wenn die Zentralregierung uns hilft, ist die Coronalage so ernst, dass die verfügbaren Ressourcen nicht ausreichen«, schreibt Kejriwal auf Twitter, und er bittet die Regierungsverantwortlichen anderer Bundesstaaten, ihre übrigen Sauerstoffvorräte nach Delhi zu schicken.

Wie es aussieht, wenn das Gesundheitssystem in dem nach Bevölkerung zweitgrößten Land der Welt an seine Belastungsgrenze kommt, zeigen Fernsehbilder. Die Stationen wirken überfüllt,…