Absolute Dunkelheit, ohne Kontakt zur Außenwelt. So hat eine Gruppe von 15 Freiwilligen für das Forschungsprojekt »Deep Time« die vergangenen 40 Tage und Nächte in einer Höhle in den französischen Pyrenäen verbracht. Das Projekt soll Einblicke in die Funktionsweise der inneren Uhr des Menschen geben und dabei helfen, die Anpassungsfähigkeit unter Extremumständen besser zu begreifen. Extrem waren die Umstände in jedem Fall: Zum fehlenden Licht und der Isolation kamen durchgehende Temperaturen von gerade mal 10 Grad Celsius und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit.

Obwohl die Probanden nicht mit der Außenwelt kommunizieren durften, standen sie unter konstanter Beobachtung: Schlafrhythmus, soziale Interaktion innerhalb des Teams und Änderungen am Verhalten wurden von Forschern aus Frankreich und der Schweiz durchgängig mit Sensoren überwacht. Am Freitag nahmen sie dann den seit Wochen ersten Kontakt zur unterirdischen Gruppe auf und teilten ihnen mit, sie bald abholen zu kommen.

Die Zeit sei ohne Handys, Uhren und Tageslicht einfach langsamer verlaufen, waren sich die 15 Teilnehmenden einig, die am Samstag mit bleichen Gesichtern und dunklen Sonnenbrillen aus der Lombrives-Höhle kletterten. »Es war, als hätte man auf den Pause-Knopf gedrückt«, sagte Marina Lancon, eine der Freiwilligen. Man habe einfach keinen Druck gehabt, irgendetwas zu machen. Die 40 Tage unter der Erde wären ihr daher eigentlich nicht genug gewesen – gern hätte sie dort noch mehr Zeit verbracht, auch wenn der Wind im Gesicht und das Zwitschern der Vögel sehr schön seien.

Durch das Fehlen von Uhren maßen die Teilnehmenden ihre Zeit nicht mehr in Stunden, sondern in Schlafzyklen. Projektdirektor Christian Clot war daher überrascht, dass die Zeit in der Höhle bereits vorbei war: »Wir dachten, es seien erst 30 Tage vergangen.« Ein Teammitglied lag mit seiner Schätzung gar bei gerade mal 23 Tagen. Vor allem das gemeinsame Arbeiten an Projekten in der Höhle sei unter diesen Bedingungen…