„Überleben ist entscheidend genug – und 80 geworden zu sein, finde ich auch schon erstaunlich. Ich hoffe, ich habe noch etliche Jahre, weil ich noch nicht da bin, wo ich sein will und noch nicht das gemacht habe, was ich letztlich will“, sagte  Markus Lüpertz kurz vor seinem Geburtstag in einen Interview mit der Presseagentur dpa. Über zu wenig Anerkennung und Aufmerksamkeit kann sich der Maler allerdings nicht beschweren, auch wenn die Pandemie ihm, wie er bedauert, „ein bis zwei Jahre gestohlen“ habe. Dass über ihn gern und viel geredet wurde, dafür hat er selbst gesorgt.

Ein Meister der Selbstinszenierung

Der am 25. April 1941 im böhmischen Liberec geborene Maler ist ein Meister der Selbstinszenierung. Da wäre zunächst sein auffälliges Erscheinungsbild. An den Fingern trägt er auffällige Ringe, sein Handgelenk ziert meist eine goldene Rolex, ein Chauffeur fährt ihn im Rolls Royce zu Vernissagen. Von den Nobel-Karossen soll er gleich mehrere in der Garage stehen haben.

Kopflose Soldaten: Gemälde aus der Deutschland-Serie von 1996

Das Image des exzentrischen Rebellen pflegt er auch als Künstler gern. Im Gegensatz zu den vorherrschenden abstrakten Tendenzen in der Malerei seiner Zeit gestaltet der junge Lüpertz früh einfache gegenständliche Motive in expressiver – aber gegenständlicher – Manier.

Deutschland als Thema der Kunst

Ein zentrales Thema seiner künstlerischen Auseinandersetzung ist Deutschland und seine Geschichte im 20. Jahrhundert. Ab 1968 tauchen Stahl- oder Wehrmachtshelme, Fahnen, Geweihe, Schaufeln und Uniformen in seinen Gemälden auf.

Klischees voller Pathos, aus denen Lüpertz eine eigene Bildsprache entwickelt, die sich mit Krieg, Tod und Angst auseinandersetzt. 1973 würdigt ihn die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden in einer ersten Einzelausstellung. „Schwarz Rot Gold I“ hieß ein Bild aus dem Jahr 1974. Wie ein Gespenst ohne Kopf schwebt ein grüner Stahlhelm über Uniform und Kanonenwagen. Grellgelb erhebt sich dahinter das…