Bundestagswahl
Drei Kanzlerkandidaten gab es schon einmal: Als Guido Westerwelle Schuhgröße 18 trug

Trat als Kanzlerkandidat der FDP 2002 gegen Gerhard Schröder (SPD) und Edmund Stoiber (CDU/CSU) an: Guido Westerwelle (im Mai 2002)

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von Dieter Hoß

24.04.2021, 19:52 Uhr

Wenn wir im Herbst bei der Bundestagswahl unsere Stimme abgeben, haben wir die Auswahl aus drei Kanzlerkandat:innen. Das gab’s noch nie, sollte man meinen. Stimmt aber nicht. Die FDP schwankte 2002 zwischen Populismus und Spaßpartei.

Die Treter stehen heute im Deutschen Schuhmuseum im pfälzischen Hauenstein. Ein Paar braune Schnürschuhe mit einer gelben 18 unter der Sohle. Sie könnten auch ohne Weiteres im Haus der Geschichte in Bonn Platz finden, denn die 18 steht nicht für eine enorme Schuhgröße, sondern für eine historische Wahlkampfstrategie. Diese führte dazu, dass zur Bundestagswahl 2002 drei Kanzlerkandidaten antraten. Das bis heute einzige Mal. Erst jetzt, 19 Jahre später, haben die Wähler:innen mit Annalena Baerbock (Grüne), Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD) wieder die Auswahl aus drei Menschen, die das höchste Regierungsamt anstreben – wenn auch unter ganz anderen Vorzeichen.

Denn während SPD-Kandidat Scholz heute der Außenseiter ist, waren die Sozialdemokraten damals in der Regierung. Während Gerhard Schröder damals versuchte, erneut die 40-Prozent-Marke zu knacken, dürfte Scholz heute schon zufrieden sein, wenn er die Hälfte der Stimmen einfahren würde. Tatsächlich ist es nicht mal sicher, ob nicht eine „Strategie 18“ für Scholz und Freunde ein ambitioniertes Projekt wäre. Mit der echten „Strategie 18“ oder auch dem „Projekt 18“ ist eine andere Partei fest verbunden: die FDP des Jahres 2002. Die Liberalen versuchten damals nach der Maxime „Frech geht vor“ einen Wahlkampf zu führen, der mit 18 Prozent nicht weniger als eine vollkommen unrealistische…