Der in einem Straflager in Hungerstreik getretene Kremlgegner Alexej Nawalny ist nach Angaben seines Teams zu einer Untersuchung in ein Krankenhaus außerhalb des Gefängnisses gebracht worden. Untersucht worden sei er in der Stadt Wladimir östlich von Moskau, twitterte Leonid Wolkow, ein Vertrauter Nawalnys. »Es wurden zahlreiche Untersuchungen durchgeführt.« Ergebnisse waren zunächst nicht bekannt, wurden aber von unabhängigen Ärzten ausgewertet.

Dazu zählt auch Nawalnys persönliche Ärztin, gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen appellierte sie danach in einem von Medien veröffentlichten Brief an Nawalny, dass er seinen Hungerstreik sofort beenden solle. Sollte er weiter keine Nahrung zu sich nehmen, würde das seine Gesundheit weiter schädigen und im schlimmsten Fall zum Tode führen. Die Untersuchungen seien demnach bereits am Dienstag durchgeführt worden.

Nawalnys Team fordert eine unabhängige medizinische Versorgung des im Straflager inhaftierten Kremlgegners. Er ist seit mehr als drei Wochen im Hungerstreik, um das durchzusetzen. Am Sonntag war er bereits in ein anderes Straflager mit Krankenstation verlegt worden.

Landesweite Proteste

Der Politiker klagte zuletzt über Rückenleiden, Lähmungserscheinungen in den Gliedmaßen, Fieber und Husten. Wie es ihm tatsächlich geht, lässt sich unabhängig nicht überprüfen. Erst am Mittwoch hatten Zehntausende bei landesweiten Protesten einen Zugang von unabhängigen Ärzten zu Nawalny gefordert.

Auch der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer hatte bei einem Besuch in Moskau die Situation des Kremlgegners angesprochen. »Ich habe die Aussage bekommen, dass die medizinische Versorgung gewährleistet ist«, sagte Kretschmer danach. Das sei die Erwartung von deutscher Seite. »Das ist ein Mindestmaß an humanitärer Unterstützung, die man jemandem zukommen lassen muss«, sagte Kretschmer.