Impfen für alle

Können wir doch noch einen richtigen Sommer genießen? Mit mehr Freiheit, weniger Sorgen, weniger Regeln, die uns die Laune vermiesen. Ist womöglich sogar ein Urlaub drin, der diesen Namen verdient?

Zumindest können wir etwas hoffnungsfroher auf die kommenden Monate schauen. Endlich wird mit mehr Tempo geimpft, mehrere Länder – Bayern, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen – verteilen den schlecht beleumundeten AstraZeneca-Impfstoff nun an alle, die ihn haben wollen. Und Ende Mai, Anfang Juni, so stellt es der Gesundheitsminister in Aussicht, könnte sogar grundsätzlich Schluss sein mit der strengen Impfreihenfolge.

Die Priorisierung war zu Beginn wichtig, richtig und gerecht, zumal der Impfstoff knapp war. Wenn nun aber, wie angekündigt, Biontech und Co. immer mehr liefern können, dann sollte es auch darum gehen, in kurzer Zeit so viele Menschen wie möglich zu impfen. Keine Dosis sollte liegen bleiben, weil ein Termin abgesagt oder der Impfstoff verschmäht wurde.

Machen wir uns nichts vor, bis zur Herdenimmunität wird es noch dauern. Aktuell haben etwas mehr als ein Fünftel der Menschen zumindest eine Impfdosis bekommen. Auch bei der Impfbereitschaft der Bevölkerung ist noch Luft nach oben. Und alle, die nun in München, Berlin oder Schwerin hektisch Ärzte abtelefonieren, um sich ihre Astra-Spritze zu sichern, könnten enttäuscht werden: Aktuell sind bundesweit nur rund eine Million AstraZeneca-Dosen nicht verimpft – und Lieferzusagen hat der Hersteller nicht immer eingehalten.

Und zur Wahrheit gehört auch: Wenn flexibler geimpft werden kann, wenn auch jüngere Menschen ohne Vorerkrankungen oder Risikokontakte eine Spritze erhalten können, dann steigt die Verantwortung der Hausärzte. Dank der Hausärzte hat die Kampagne Fahrt aufgenommen. Wird die Impfreihenfolge aufgehoben, müssen sie darauf achten, dass auch weiterhin jene Patientinnen und Patienten vorrangig drankommen, die besonders gefährdet sind – nicht die, die die besten…