Einmal vom Mittelmeer in den Persischen Golf – und zurück. Wer den Suezkanal nicht unfallfrei passieren kann, der hat ein Problem – und viele andere gleich mit. So blockierte der quer im Kanal liegende Container-Riese Ever Given Ende März fast eine Woche die wichtige Wasserstraße. Und das zu vermeiden, existiert im südfranzösischen Trainingshafen Port Revel eine winzige Kopie des Suezkanals. Hier lernen angehende Schiffskapitäne und Lotsen das Steuern unter denselben Bedingungen wie denen in Ägypten auf putzigen Minifrachtern. Zumindest beinah.

François Mayor, Leiter des Trainingshafens: „Ein kleiner Unterschied ist, dass man hier keine Sandstürme simulieren kann. Ansonsten haben wir hier starke Windböen, die Sie und Ihr Boot von einer Seite zur anderen schaukeln lassen. Die Temperaturen hier beeinflussen das System. Und dann gibt es technische Probleme wie beim Auto: mit dem Getriebe, dem Steuer, dem Motor. Egal ob Suezkanal oder ein anderer, das Besondere bei einem Kanal ist, dass man wenig Platz für Manöver hat. Deshalb muss man besonders konzentriert und auf alles vorbereitet sein.“

Die Navigation durch dieses Wasserstraßenmodell soll auf die schwierigsten Momente der globalen Schifffahrt vorbereiten – wie den echten Suezkanal, der 25-mal so groß ist wie seine Replika hier am westlichen Ausläufer der französischen Alpen.

François Mayor, Leiter des Trainingshafens: „Das Besondere ist, dass die Wassertiefe, das Ufer und die Form des Kanals genau dem tatsächlichen, historischen Kanal vor seiner Erweiterung 2015 entsprechen. So lernen die Azubis unter sehr realistischen Bedingungen. Sie arbeiten hier in gewöhnlichen Situationen und solchen der Gefahr, wo wir ihnen ein paar technische Hilfsmittel wegnehmen.“

Während des Trainings simulieren die Lehrer Lenkprobleme und Motorausfälle, um zu sehen, wie die Lehrlinge reagieren. Es gibt auch eine winzige Bucht von San Francisco und eine Imitation von Port Arthur in Texas. Die angehenden Wasserstraßen-Cruiser lernen…