von Ellen Ivits

22.04.2021, 10:09 Uhr

Eine Geheimdienstaffäre belastet die Beziehungen zwischen Russland und Tschechien: Zwei Männer, die im dringen Tatverdacht stehen, den Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal verübt zu haben, sollen in Tschechien Waffenlager in die Luft gejagt haben. 

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel schlug in Tschechien die Nachricht ein: Russische Spione sollen für die Explosion eines Waffenlagers im Nato-Bündnisstaat im Jahr 2014 verantwortlich sein. Dabei kamen zwei Beschäftigte einer Rüstungsfirma ums Leben. Die tschechische Führung macht nun russische Geheimdienste dafür verantwortlich. Ministerpräsident Andrej Babis sprach von „eindeutigen Beweisen“. Tschechien wies deshalb umgehend 18 Beschäftigte der russischen Botschaft aus – angeblich alles Agenten der Geheimdienste SWR und GRU.

„Tschechien ist ein souveräner Staat und muss auf diese nie dagewesenen Enthüllungen in entsprechender Form reagieren“, sagte Babis. Der Präsident des Senats, Milos Vystrcil, sprach von „Staats-Terrorismus“. 

Zwei Männer stehen im Fokus der schweren Anschuldigungen. Die tschechische Polizei veröffentlichte Fahndungsfotos der beiden Tatverdächtigen – und sie sind keine Unbekannten. 2018 gingen bereits Bilder der zwei Männer um die Welt. Damals leiteten die britischen Behörden eine Fahndung nach ihnen ein. Sie stehen im dringenden Verdacht, am 4. März 2018 das Attentat auf den ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter im britischen Salisbury verübt zu haben, die beide dem Nervengift Nowitschok ausgesetzt wurden.

Das Recherchenetzwerk Bellingcat und das investigative russische Magazin „The Insider“ identifizierten damals nach einer aufwendigen Recherche die beiden mutmaßlichen Attentäter als GRU-Agenten Anatolij Chepiga und Alexander Mischkin. Russland weigert sich jedoch bis heute sie…