Der diplomatische Konflikt zwischen Tschechien und Russland spitzt sich weiter zu. Nach Verstreichen eines Ultimatums an Russland hat Tschechien faktisch die Ausweisung von bis zu 70 russischen Diplomaten und Botschaftsmitarbeitern beschlossen.

Tschechiens Außenminister Jakub Kulhanek gab dem Kreml bis Ende Mai Zeit, die Größe seiner Vertretung in Prag auf das Niveau der tschechischen Botschaft in Moskau zu reduzieren. Derzeit hat Tschechien nur noch 24 Botschaftsangehörige in Moskau, darunter fünf Diplomaten. Russland hat in Prag aber 94 Botschaftsmitarbeiter, darunter 27 Diplomaten.

Hintergrund des Streits sind Explosionen in einem Munitionslager in Vrbětice im Osten Tschechiens im Jahr 2014, für die Prag zuletzt russische Geheimdienste verantwortlich machte. Als Reaktion verwies Tschechien in der vergangenen Woche 18 russische Diplomaten des Landes. Moskau konterte – und wies 20 tschechische Diplomaten aus.

Kulhanek hatte dies als »unverhältnismäßig« bezeichnet. Die Ausweisung von 20 Diplomaten lege die Arbeit der tschechischen Botschaft völlig lahm, während die Ausweisung von 18 russischen Diplomaten die Arbeit der russischen Botschaft nicht gefährde.

Das Außenministerium in Moskau kündigte umgehend Gegenmaßnahmen an – ließ aber offen, welche das sein werden. »Prag hat den Pfad der Zerstörung der Beziehungen eingeschlagen, die Antwort wird nicht lange auf sich warten lassen«, sagte die Sprecherin Maria Sacharowa der Agentur Interfax zufolge.

Prag hatte den Kreml zuvor erfolglos aufgefordert, die Rückkehr aller vor wenigen Tagen ausgewiesenen tschechischen Diplomaten an die Moskauer Botschaft bis Donnerstagmittag zu ermöglichen. Die Vertretung gilt als kaum noch arbeitsfähig. »Tschechien ist ein selbstbewusstes Land und verhält sich demgemäß«, sagte Kulhanek. Der 36-Jährige ist erst seit Mittwoch Chefdiplomat des Nato- und EU-Mitgliedstaats.

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