Neue Schulden zu machen, hat sich für den deutschen Staat im ersten Quartal einmal mehr ausgezahlt – dank negativer Zinsen. Bei der Ausgabe von Anleihen und anderen Kapitalmarktinstrumenten zur Finanzierung des Haushalts einschließlich Sondervermögen fielen rund zwei Milliarden Euro an Einnahmen an. Das geht aus einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Schreiben von Finanzstaatssekretärin Sarah Ryglewski auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Fabio De Masi von der Linkspartei hervor.

»Der Bund verdient auch in diesem Jahr kräftig Geld mit dem Schuldenmachen«, sagte De Masi und ergänzte mit Blick auf Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD): »Die EZB macht ihren Job und hält die Zinsen niedrig, damit Olaf Scholz keine Finanzierungsprobleme hat.« Wer unter diesen Umständen zurück zur Schuldenbremse wolle und die Axt an öffentlichen Investitionen oder dem Sozialstaat anlege, sei »ein ökonomischer Geisterfahrer«. Deutschland könne ohne Probleme langfristig aus den Schulden herauswachsen.

Die Milliardensumme kommt durch die negativen Zinsen am Kapitalmarkt zustande. Investoren geben dem Bund bei der Schuldenaufnahme mehr Geld, als sie am Ende zurückbekommen. Im Finanzjargon wird von einem Agio-Gewinn gesprochen.

Die für das Schuldenmanagement des Bundes verantwortliche Finanzagentur kam im ersten Quartal auf ein Emissionsvolumen von 59,7 Milliarden Euro. Die durchschnittliche Emissionsrendite betrug minus 0,54 Prozent. Dennoch waren die Auktionen überzeichnet. Die sogenannte Bid-to-Cover-Ratio, also das Verhältnis zwischen der Nachfrage und den tatsächlich verfügbaren Papieren, betrug 1,54. »Deutsche Staatsanleihen sind heiße Ware auf dem Kapitalmarkt«, sagte De Masi. »Der Bund hätte in den Auktionen sogar noch mehr Anleihen verkaufen können, denn im Schnitt gab es von den Banken deutlich mehr Gebote als verkaufte Anleihen. Und das, obwohl die Renditen negativ sind.«

Insgesamt will die Finanzagentur in diesem Jahr mehr als 471 Milliarden…