Bei landesweiten Demonstrationen für den inhaftierten Kremlkritiker Alexej Nawalny sind in Russland nach Angaben einer Beobachtergruppe mehr als 1700 Menschen festgenommen worden. Allein bei der Kundgebung in Sankt Petersburg habe die Polizei am Mittwoch 805 Demonstranten in Gewahrsam genommen, teilte die unabhängige Gruppe OVD-Info mit. Insgesamt seien 1783 Menschen in 97 Städten festgenommen worden.

Bereits im Vorfeld der Proteste mit Tausenden Teilnehmern war die Polizei massiv gegen Anhänger Nawalnys vorgegangen. In fast 30 Städten gab es laut OVD-Info Razzien und Festnahmen. Unter anderem wurde Nawalnys Büro in St. Petersburg durchsucht und seine Vertrauten Ljubow Sobol und Kira Jarmysch wurden festgenommen.

Zu den landesweiten Demonstrationen hatten Unterstützer des Kremlkritikers aufgerufen. Es gehe nicht mehr nur um dessen Freiheit, sondern »um sein Leben«, schrieb Nawalnys Vertrauter Leonid Wolkow.

Seit Ende März im Hungerstreik

Nawalnys Gesundheitszustand hat sich nach Angaben seiner Unterstützer massiv verschlechtert. Ende März trat er in der Haft im Straflager in einen Hungerstreik, um Zugang zu einer angemessenen medizinischen Versorgung zu erhalten. Seine Ärzte warnten zuletzt vor der Gefahr eines Herzstillstandes bei dem 44-Jährigen. Inzwischen wurde er auf die Krankenstation eines anderen Straflagers verlegt. Seine Unterstützer kritisieren, auch dort bekomme er keine angemessene Behandlung – die hatte jüngst auch Bundeskanzlerin Angela Merkel eingefordert.

Bei landesweiten Solidaritäts-Demonstrationen für Nawalny waren im Januar und Februar mehr als 11.000 Menschen festgenommen worden. Nawalny ist einer der prominentesten russischen Oppositionspolitiker und Gegner von Präsident Wladimir Putin. Im vergangenen August überlebte er einen Anschlag mit dem Nervenkampfstoff Nowitschok. Nach dem Anschlag, für den Nawalny und die EU den Kreml verantwortlich machen, wurde er nach Deutschland geflogen und in der Berliner Charité…