Meinung

Rede an die Nation
Putin im Wunderland: Der Kreml-Chef hat seinen Kopf endgültig in bizarren Parallelwelt verloren

Wladimir Putin bei seiner Rede an die Nation 

© Mikhail Metzel / Picture Alliance

von Ellen Ivits

21.04.2021, 15:22 Uhr

Mit Spannung haben die Russen auf diesen Auftritt gewartet: Wladimir Putins Rede an die Nation. Nach einem Jahr in Selbstisolation betrat er endlich wieder eine Bühne – ohne dass das Publikum vorher in Quarantäne musste. Doch statt Antworten lieferte der Kreml-Chef eine Märchenstunde. 

Eineinhalb Stunden dauerte sie – die lang ersehnte Rede Wladimir Putins an die Nation. Eineinhalb Stunden lauschte Russland einer Exkursion in eine bizarre Parallelwelt. In ein Land, das Corona besiegt hat, das über die weltweit beste Medizin und die führenden Universitäten verfügt, das durch wirtschaftliches Wachstum und technologische Innovationen glänzt, das für seine Bürger abertausende Quadratmeter modernsten Wohnraum baut und und seinen Jugendlichen auch noch Gratis-Urlaube spendiert. 

Und während die versammelten Vertreter der Föderalen Versammlung mit offenen Mündern zu dem Fremdenführer durch dieses seltsame Land aufblickten, werden abertausende Russen sich vor ihren Fernsehen gefragt haben: Und dieses Land soll Russland sein?

Es ist ein Märchen, dass Putin der ganzen Welt zu verkaufen versucht. Die Realität sieht anders aus. Russland steht vor dem Ruin. Der Rubel ist seit Monaten auf einer nie dagewesenen Fahrt nach unten. Das medizinische System ist hoffnungslos überfordert, die Krankenhäuser überfüllt. Es fehlt an den grundlegendsten Medikamenten und Mitteln. Mit Tricks werden die offiziellen Corona-Statistiken niedrig gehalten. Einer der beliebtesten: In den Akten eine andere Diagnose eintragen. Einfach, und doch genial. 

„Wenn wir nicht testen würden, hätten wir keine…