M. Streck: Frischluft
Heimweh nach London und Skandalen mit Wumms

Gedränge vor den Pubs in London – nicht der einzige Grund, neidisch auf die Briten zu sein, meint Michael Streck

© Niklas Halle’n / AFP

von Michael Streck

21.04.2021, 13:40 Uhr

Unser Autor Michael Streck sehnt sich gerade zurück auf die Insel. Nicht nur, weil dort die Biergärten wieder offen sind. Auch das natürlich. Aber das Chaos um Laschet und Söder bestätigt wieder mal, dass die Briten das ganze große Theater besser können.

Jedes Mal, wenn wir mit unserer Tochter in London telefonieren, wird mir warm ums Herz. Das liegt vermutlich in der Natur der Sache. Neuerdings wird mir noch wärmer ums Herz. Vor ein paar Tagen schickte sie ein Foto aus einem Biergarten. Sie saß da mit Freunden, unterhielt sich seit Monaten erstmals mit fremden Menschen an anderen Tischen und sagte, sie hätte vor Freude weinen können.

Neid können Deutsche besser

In diesem Moment, und nicht nur in diesem, bekamen wir Heimweh nach London. Nicht mal wegen der Pubs, auch nicht, weil ungefähr alle Briten geimpft sind. Es sei jedem nach diesem verheerenden Jahr mit annähernd 130.000 Toten mehr als gegönnt. Im Übrigen gibt es in Großbritannien auch keinen Impfneid, von dem es heißt, der grassiere hierzulande mindestens so wie das Virus und sei auch mindestens so ansteckend. Es gibt im Englischen nicht mal ein Wort für Impfneid. Für Sozialneid auch nicht. Neid können Deutsche besser. 

Michael Streck: Frischluft

Michael Streck, Jahrgang 1964, wurde in Lüdenscheid, am Rande des Ruhrgebiets entbunden und muss sich Zeit seines Lebens Witzchen über Loriots Herrn Müller-Lüdenscheidt anhören.

Er begann als Sportjournalist, wechselte als Reporter ins Deutschland-Ressort des stern und war von von 2001 bis 2008 US-Korrespondent in New York. Von 2014 bis zum Sommer 2019 war Streck…