Trotz Corona dürfte die Bundestagswahl in diesem Jahr zur Klimawahl werden. Gerechtfertigt wäre es allemal: Die Klimakrise macht keine Pause, die Folgen der Erderwärmung werden auch bei uns immer deutlicher, und um das 1,5-Grad-Ziel von Paris noch zu halten, müssen die weltweiten Treibhausgasemissionen bis 2030 halbiert werden. Am Samstag bestätigten die Klimaverhandler der USA und Chinas, John Kerry und Xie Zhenhua, in einem gemeinsamen Statement, dass sie ihre Klimaschutzanstrengungen verstärken wollen, um dieses Ziel in Reichweite zu halten.

Doch immer wieder flammt die Diskussion auf, ob die 1,5 Grad überhaupt noch zu halten sind. So auch kürzlich durch einen Bericht des Climate Council, eines australischen Expertengremiums. Dabei sind die wesentlichen Aussagen dieses Berichts in der Wissenschaft Konsens: Schon der Titel lautet »Warum die Emissionen in diesem Jahrzehnt schnell fallen müssen«. Der Bericht warnt vor »dramatischen Risiken« und folgert: »Netto-Null-Emissionen weltweit im Jahr 2050 zu erreichen, wäre mindestens ein Jahrzehnt zu spät.« So weit, so klar.

Widerspruch hat jedoch die Behauptung in dem Bericht ausgelöst, es sei praktisch unmöglich, die 1,5-Grad-Grenze noch einzuhalten. Dabei sind durchaus viele Kollegen sehr pessimistisch, ob wir das schaffen. Das aber aufgrund einer politischen Einschätzung: Man traut den Regierungen die Kraft und den Willen nicht zu, die nötigen Schritte zur Begrenzung auf 1,5 Grad zu unternehmen. Und dieser Pessimismus ist verständlich beim Blick auf die Klimapolitik der letzten drei Jahrzehnte, seit die Staaten sich 1992 in der Klimarahmenkonvention geeinigt haben, einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern.

Im Widerspruch zur Fachliteratur

Aber es geht in dem Papier des Climate Council um etwas anderes. Nicht um politischen Pessimismus, sondern um die Behauptung, die 1,5-Grad-Grenze würde schon in den Dreißigerjahren überschritten werden, egal was wir täten – selbst wenn die Emissionen bis 2040 auf…