Die 35-jährige Nurten J. aus Leverkusen ist vom Oberlandesgericht in Düsseldorf mit vier Jahren und drei Monaten Gefängnis bestraft worden. Das Mitglied der Dschihadistenorganisation »Islamischer Staat« (IS) wurde unter anderem wegen Kriegsverbrechen und der Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung im Ausland verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Bundesanwaltschaft hatte vier Jahre und acht Monate Haft gefordert, die Verteidiger dreieinhalb Jahre. Die Frau hatte ein Teilgeständnis abgelegt.

Bei den Kriegsverbrechen handelt es sich nach Angaben des Gerichts um sogenannte Verbrechen gegen das Eigentum. J. soll in Syrien mehrere Wohnungen bezogen haben, deren rechtmäßige Eigentümer vom IS vertrieben worden waren. Allerdings habe sie entgegen der Anklage nicht fünf, sondern vier solcher Wohnungen bezogen, erklärte das Gericht. Außerdem habe die 35-Jährige ihre Fürsorge- und Erziehungspflicht gegenüber ihrer Tochter verletzt und Gewalt über eine Kriegswaffe ausgeübt.

Jesidin musste als Sklavin putzen

J. soll im Februar 2015 gemeinsam mit ihrer damals drei Jahre alten Tochter nach Syrien gereist sein, um sich dem IS anzuschließen und in dessen Herrschaftsgebiet zu leben. In Syrien heiratete sie ein ranghohes IS-Mitglied, das in Husum gelebt hatte. Laut Generalstaatsanwaltschaft unterwarf sie sich freiwillig den Regeln der Dschihadistenmiliz, die ihrer Familie kostenlos Wohnungen von Vertriebenen oder Geflüchteten zur Verfügung stellte.

2016 und 2017 bekam J. nach Überzeugung des Gerichts regelmäßig Besuch von einer Freundin. Diese habe auf Bitten der nun Verurteilten eine vom IS versklavte Jesidin mitgebracht. Die Angeklagte nutzte demnach die »unentgeltliche Arbeitskraft« der Jesidin zu eigenen wirtschaftlichen Zwecken aus.

Als der IS seine Herrschaftsgebiete in Syrien verlor, kam die Angeklagte mit ihrer Familie in kurdische Gefangenschaft. Zuletzt befand sie sich in der Türkei in Abschiebehaft. Im Juli 2020 wurde sie nach ihrer…