In einem Interview mit der Wochenzeitung »Die Zeit« räumte Habeck ein, der Tag der Nominierung sei für ihn »der schmerzhafteste Tag in meiner politischen Laufbahn« gewesen. Sein Beitrag zum Erfolg werde sein, die »Entscheidung nach außen zu vertreten und daraus, obwohl sie für mich eine persönliche Niederlage ist, einen politischen Sieg zu machen.«

»Nichts wollte ich mehr, als dieser Republik als Kanzler zu dienen. Und das werde ich nach diesem Wahlkampf nicht«, sagte Habeck. Die Grünen hätten nun die Chance, das Kanzleramt zu erobern. »Und das ist größer als das, was man sich persönlich zutraut oder will.«

Der Tag der Nominierung sei »ein bittersüßer« gewesen. Er habe sein Ministeramt in Schleswig-Holstein aufgegeben, um die Partei dahin zu bringen, wo sie nun sei. »Aber ich werde diesen Kampf nicht von der Spitze aus führen, wie ich es wollte. Das ist der bittere Teil.« Habeck stellte klar, dass er dennoch keinen Rückzug erwogen habe und meldet zugleich Anspruch auf ein Ministeramt an: »Wenn wir es gut machen, werde ich Teil der Bundesregierung sein. Die Wirklichkeit zu gestalten ist für mich der Sinn von Politik. Das bedeutet für mich Verantwortung.«

Der Grünen-Vorsitzende beklagte, seine Erfahrung in der politischen Exekutive habe nach seinem Wechsel in die Bundespolitik keine Rolle mehr gespielt. »Ich wurde auf einmal über Äußerlichkeiten beschrieben und nicht über meine Leistungsbilanz und Erfahrung. Das hat genervt und war irritierend. Bei Frauen würde man das sexistische Zuschreibungen nennen.« Ihm sei es nicht gelungen, dagegen anzugehen.