Inhaftierter Kremlkritiker
„Freiheit für Nawalny!“: mehr als tausend Festnahmen bei Protesten in Russland

Russland, Moskau: Eine Frau gestikuliert vor Bereitschaftspolizisten, die eine Straße während einer Demonstration zur Unterstützung des inhaftierten Oppositionsführers Nawalny blockieren

© Alexander Zemlianichenko/AP / DPA

Zu Zehntausenden fordern Menschen in Russland „Freiheit für Nawalny!“ – und für Russland. Die Sorge um den im Straflager inhaftierten und erkrankten Kremlgegner ist international groß. Machen die landesweiten und internationalen Proteste Eindruck auf den Kreml?

Mehr als 1000 Menschen sind in Russland bei Demonstrationen zur Unterstützung des im Straflager inhaftierten Kremlgegners Alexej Nawalny festgenommen worden. Das Menschenrechtsportal ovdinfo.org listete am frühen Abend für mehr als 80 Städte über 1000 Festnahmen auf, darunter allein mehr als 300 in St. Petersburg. Die Menschen riefen trotz Drohungen der Behörden zu Zehntausenden „Freiheit für Nawalny!“ und forderten, dem in Haft schwer erkrankten 44-Jährigen ärztliche Hilfe zu leisten. Vereinzelt gab es Berichte über Polizeigewalt gegen die friedlichen Demonstranten.

Nawalny ist seit drei Wochen im Hungerstreik, um so eine Behandlung von einem unabhängigen Arzt zu erwirken. Er klagt über Rückenschmerzen und Lähmungserscheinungen in den Gliedmaßen. Nach Angaben des russischen Strafvollzugs wird er auf einer Krankenstation im Straflager behandelt. Die Behörden sehen keine Gefahr für sein Leben.

Auch Nawalnys Frau Julia, sein Bruder Oleg und seine Mutter nahmen an den nicht erlaubten Aktionen in Moskau teil. Nawalnys enge Mitarbeiterinnen Ljubow Sobol und seine Sprecherin Kira Jarmysch wurden bereits Stunden vor den Protesten festgenommen. Jarmysch kam für zehn Tage in eine Arrestzelle, wie sie mitteilte. Der Grund der Festnahmen war zunächst nicht klar.