Zalandos nächstes großes Geschäft lässt sich in vier Zahlen umreißen: Zwei Drittel der Kunden sagen, dass ihnen Transparenz beim Mode-Einkauf wichtig sei – aber nur 20 Prozent informieren sich bewusst beim Shoppen. Mehr als die 50 Prozent der Käufer hält ethische Arbeitsbedingungen für wichtig – aber nicht mal die Hälfte davon holt sich vor dem Kauf dazu korrekte Information.

So steht es in einer Studie, die Europas größte Modeplattform über die eigenen Kunden und ihr Kaufverhalten erstellt hat – und die dem SPIEGEL vorliegt.

Nachhaltigkeit ist in der Modeindustrie das Wort der Stunde. Kaum ein Händler, kaum ein Hersteller, kaum ein Kunde, der das Thema der ökologischen und sozialen Verantwortung nicht für wichtig hält. Gerade beim Thema Kleidung. Gerade jetzt in der Coronakrise, wo viele Menschen viel Zeit haben, sich mit ihrem Kleiderschrank und ihren Konsumgewohnheiten zu beschäftigen.

Nur handeln und kaufen die meisten eben nicht so, wie sie es in Sonntagsreden gerne angeben.

»Attitude-Behaviour-Gap« nennt Zalando dieses Phänomen. Ein Problem, sagt Co-Chef David Schneider. Für die Umwelt, das Klima, die Industrie, die Kunden. Er sehe Zalando hier in der Verantwortung »zur Veränderung beizutragen«. Vor allem aber sieht er wohl: eine riesige Geschäftschance für sein Unternehmen.

16 Prozent der 38 Millionen Zalando-Kunden kauften im vergangenen Jahr Kleidung, die das Label »nachhaltig« trug. Bis Ende 2023 sollen es schon 25 Prozent sein. Wobei unklar ist, was nachhaltig für die Plattform eigentlich bedeutet. Bislang verbirgt sich dahinter ein Sammelsurium an Zertifizierungen, Selbstverpflichtungen und Inhalten. Viele Kunden blicken hier nicht durch, auch das zeigt die Studie.

Schneider will damit nun aufräumen, will es den Kunden leichter machen, die zehntausenden Angebote nach eigenen Öko-Vorlieben zu sortieren. So sollen sie sich etwa künftig Kleidung anzeigen lassen können, deren Rohstoffanbau und Produktion weniger Wasser verbraucht…