Es ist ein physischer und psychischer Kraftakt, dem sich die Parlamentarier unterziehen: Im Untersuchungsausschuss zum Zusammenbruch des Dax-Konzerns Wirecard wollen sie in weniger als einem Jahr die politische Verantwortung für den Finanzskandal aufklären, bei dem 20 Milliarden Euro Börsenkapital und tausende Anleger geschädigt worden sind. 300 Stunden haben sie bereits getagt, oft bis tief in die Nacht.

Diese Woche nun sagt das Spitzenpersonal der Republik als Zeugen aus. Vier Personen stehen dabei im Fokus: Neben dem zuständigen Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Jörg Kukies, erscheinen dessen Chef und Vizekanzler Olaf Scholz (beide SPD) sowie Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU), die am Freitag als Zeugin geladen ist.

Die Polit-Prominenz folgt auf mehr als 80 Beteiligte, die bereits befragt worden sind, zum Teil unter kuriosen Bedingungen. Darunter war der Ex-Wirecard-Chef Markus Braun, der in Begleitung eines halben Dutzend BKA-Beamter aus dem Gefängnis in Augsburg ins Parlament gebracht worden war. Per Video zugeschaltet war einer der wichtigsten Kronzeugen aus dem insolventen Unternehmen, den die Staatsanwaltschaft wegen der Gefahr eines Racheaktes nicht nach Berlin überstellen wollte. Die Chefs der Aufsichtsbehörden, Aufsichtsräte, Spitzenbanker, Wirtschaftsprüfer sowie der Insolvenzverwalter und Lobbyisten wie Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg standen bereits Rede und Antwort.

Doch auch nach der Auswertung Hunderter Gigabyte von Akten bleiben wichtige Fragen offen. Kukies und Scholz, Altmaier und Merkel sollen Antworten liefern, warum der Wirecard-Skandal möglich war und so spät aufgedeckt wurde.

Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium

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Jörg Kukies (rechts) neben seinem Chef Olaf Scholz (Archivbild)

Foto: Michael Kappeler / dpa

Wohl kein Finanzstaatssekretär war je so wirtschaftsnah wie Jörg Kukies….