Am Mittwoch möchte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) nach Moskau reisen. Die Reise diene »dem weiteren Ausbau der guten politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Sachsen und Russland«, heißt es aus der sächsischen Staatskanzlei. Allerdings haben nun mehrere Delegierte aus Leipzig inklusive Bürgermeister Burkhard Jung kurzfristig ihre Teilnahme abgesagt.

Wie die Staatskanzlei der »Freien Presse« bestätigte, werden sowohl die Vertreter der Stadt Leipzig wie auch die der Leipziger Handwerkskammer nicht mit nach Russland fliegen. Auch Leipzig selbst bestätigte demnach die Absage.

»Die Ansteckungsgefahr in Moskau ist real. Bei Abwägung von Aufwand und Nutzen der Reise wird unter den momentanen Bedingungen ein Missverhältnis gesehen«, teilte eine Stadtsprecherin mit. Es gebe aber Bemühungen, dass sich die Stadtspitzen von Leipzig und Moskau demnächst in einer Videokonferenz treffen.

Nicht nur Leipzig sieht die Reise kritisch. Die sächsischen Grünen warnten vor einem »Kuschelkurs« mit Russland. Nicht nur den sich drastisch verschlechternden Gesundheitszustand von Oppositionsführer Alexej Nawalny »beobachten wir mit großer Sorge«, erklärte Sachsens Grünen-Chef Norman Volger in Dresden. Auch gefährde Russland mit Manövern im Schwarzen Meer und einem Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine Frieden und Sicherheit in Europa.

»Dieses Handeln ist mit unserem Verständnis von Frieden, Menschenrechten und europäischem Zusammenhalt absolut unvereinbar«, erklärte Volger. Bündnisgrüner Anspruch sei es, die russische Zivilgesellschaft vor Ort zu stärken. Der »Kuschelkurs« mit russischen Funktionsträgerinnen und Akteuren sei gerade nicht an der Tagesordnung, erklärte der Landeschef der Grünen, die in Sachsen mit CDU und SPD regieren. Eine Reise nach Russland sollte daher maßgeblich dafür genutzt werden, konstruktiv auf aktuelle Problemfelder hinzuweisen und die Menschenrechte anzusprechen.

Kretschmer gilt als…